Die Augsburger Zeitung

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Freitag, 17.11.2017 • Nr. 321 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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“Bauer to the people”: Direktkonzept kommt offenbar an

Die Marktschwärmerei in Augsburg wächst und zieht um ins “AKTI:F CAFE”. Mit dieser Meldung ist der Sachverhalt verbunden, dass sich das aus Frankreich kommende Konzept der Direktvermarktung auch in Augsburg etablieren könnte.

Immer mehr Menschen wollen wissen, was in ihren Lebensmitteln steckt, wo sie herkommen und wer sie herstellt. Die Idee der Marktschwärmereien geht auf dieses Verbraucherbedürfnis ein, indem sie eine klassische Onlinebestellung der Produkte anbietet, ohne die bestellten Güter direkt an den Verbraucher zu liefern. Eine einfache Idee: Online bestellen, um die Ecke abholen. Marktschwärmerei schafft eine direkte Verbindung zwischen den Erzeugern und Verbrauchern einer Region. Die Kunden bestellen bequem im Onlineshop ihrer Schwärmerei auf www.marktschwaermer.de. Einmal in der Woche kommen Kunden und Erzeuger für eineinhalb Stunden in der Schwärmerei vor Ort zusammen, um die Bestellungen persönlich zu übergeben. Die Lebensmittel stammen ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern, Lebensmittel-Handwerkern und kleineren Manufakturen aus der Region, im Durchschnitt liegen zwischen Herstellungsort und Schwärmerei nicht mehr als 10 km Transportweg. Zum Sortiment gehören Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Geflügel und Ei, Brot, Honig, Käse und Molkereiprodukte. Der Großteil der Produkte stammt von biozertifizierten Höfen und das Fleisch zumeist von Höfen, die vor Ort selbst schlachten. In der Marktschwärmerei handeln Erzeuger und Verbraucher direkt miteinander.

Der Kunde bezahlt seinen Warenkorb direkt nach der Bestellung online. Der Erzeuger gibt von seinem Nettoumsatz 8,35 Prozent an den Gastgeber für die Organisation der Schwärmerei und 8,35 Prozent an Marktschwärmer Deutschland für die Bereitstellung der Plattform ab. Der Großteil der Einnahmen bleibt mit 83,3 Prozent beim Erzeuger. Die Marktschwärmerei Augsburg wurde von Susanne Brückner gegründet. Nach einer erfolgreichen Eröffnung im Mai stiegen die Mitgliederzahlen auf über 470 an. Zwischen 40 und 50 Kunden bestreiten ihren Wocheneinkauf schon bei der Schwärmerei. Die Produktpalette wird stetig erweitert. Derzeit können Kunden aus über zweihundert verschiedenen Produkten pro Woche wählen.

Um dem gestiegenen Bedarf angemessen nachkommen zu können, wickelt das Unternehmen die Übergabe im AKTI:F CAFE in der Klinkertorstraße 1 ab. Die Idee der Online-Direktvermarktung kommt aus Frankreich, wo seit 2011 unter dem Namen “La Ruche Qui Dit Oui” (Der Bienenkorb, der Ja sagt) bereits knapp 700 Schwärmereien entstanden sind. In Deutschland startete das Netzwerk im Herbst 2014. Derzeit sind schon rund 30 lokale Märkte in fünf Bundesländern geöffnet, weitere 80 Schwärmereien werden in den kommenden Monaten folgen.


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