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Freitag, 06.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Schlagabtausch um „Herz-OP für die Tram“: ÖDP-Stadtrat kritisiert Stadt­verwaltung

Die Debatte um das Bürger­begehren „Tram-Ring natürlich – Herz-OP für die Tram“ erreicht die nächste Stufe. Nachdem die Stadt Augsburg und die Stadt­werke (swa) am 4. Februar in einer umfang­reichen Tisch­vorlage im Wirt­schafts­aus­schuss die Pläne für einen Straßen­bahn­ring um die Altstadt als kaum umsetzbar und zu teuer eingestuft haben, geht die ÖDP nun in die Offensive.

Von Bruno Stubenrauch

Grafik: Stadt Augsburg/swa, Tischvorlage öffentlich

Im Zentrum der Kritik steht die Ge­schwin­dig­keit und Stoß­rich­tung der städ­ti­schen Be­wer­tung. Stad­trat Christian Pettinger (ÖDP), Mit­ini­tiator des Be­geh­rens, zeigt sich ver­wun­dert über den „er­staun­lichen Ener­gie­auf­wand“, mit dem Ver­wal­tung und swa das Pro­jekt binnen kür­ze­ster Zeit als „völlig ab­wegig“ dar­zus­tellen ver­such­ten. Be­son­ders kri­tisch sieht Pettinger, dass die Stadt andere Groß­pro­jekte als prio­ritär dar­stellt, deren Um­set­zung jedoch seit Jahren stag­niere.

Fokus auf Zuverlässigkeit

Pettinger wirft der Stadt vor, die zen­tralen Vor­teile einer Ring­lösung – die Er­höhung der Netz­stabi­lität – in der Analyse komplett aus­zu­klammern. „Nur wenn wir genau wissen, woran unser Nah­ver­kehrs­system krankt, können wir über Lösungen dis­ku­tieren“, so Pettinger. Er verweist auf wieder­holte Still­legungen ein­zel­ner Tram-Linien bei Demos oder Ver­an­stal­tungen in der Innen­stadt, die Fahr­gäste oft ohne Schienen­ersatz­verkehr zurück­ließen. Der Tram-Ring würde dagegen die Innen­stadt durch eine Ausweich­route ent­lasten und das System zukunfts­sicher machen.

Formelle Anfrage an die Ober­bürger­meisterin

Um die Diskussion auf eine objek­tive Basis zu stellen, hat der ÖDP-Stadtrat nun eine offi­zielle Anfrage an Ober­bürger­meisterin Eva Weber ein­gereicht. Er fordert eine detail­lierte Auf­listung aller Linien­kappungen und Ver­spätungen der letzten fünf Jahre. Sollten diese Daten bis zur Stadt­rats­sitzung am 26. Februar 2026, an dem das Thema im Plenum auf der Tages­ordnung steht, nicht vorliegen, beantragt die ÖDP bereits jetzt eine Vertagung.

Link:
Bürgerbegehren Tram-Ring natürlich


Was steht in der Tischvorlage?

Die Tischvorlage der Stadt Augsburg vom 02.02.2026 nimmt zum Bürger­begehren „Herz-OP für die Tram“ detail­liert Stellung. Die Stadt­ver­waltung und die Stadt­werke Augsburg (swa) bewerten die vor­ge­schlagene (Innen­stadt-) Ring­linie dabei kritisch. Eine Zusammen­fassung der wichtig­sten Punkte:

1. Projektumfang und Trassenführung

Die vorgeschlagene Ringlinie umfasst zwei neue Achsen mit einer Gesamtlänge von ca. 2,5 km:

  • Nord-Achse: Karlstraße – Grottenau – Leonhardsberg;
  • Ost-Achse: Rotes Tor – Vogeltor – Jakobertor (via Rembold-/Forster-/Jakober­wall­straße).

2. Kosten und Finanzierung

Die swa haben eine erste unverbindliche Kosten­schätzung vorgelegt:

  • Gesamtkosten: Ca. 120 Mio. Euro netto (inklusive Anschluss an den Haupt­bahnhof);
  • Kostenrisiken: Hohe Ausgaben für Brücken­bauten (z.B. Leonhards­berg), Tunnel­anpassungen und den schwierigen Baugrund an den Wallanlagen werden erwartet;
  • Förderfähigkeit: Ein positiver Nutzen-Kosten-Indikator (NKI > 1) ist laut Stadtwerken nicht zu erwarten, da kaum neue Fahrgast­potentiale erschlossen werden. Eine Förderung nach dem Bundes-GVFG ist daher unwahr­scheinlich.

3. Verkehrliche und betriebliche Bewertung

  • Geringer Zusatznutzen: Die geplanten Strecken werden bereits heute durch Busse im dichten Takt bedient. Die Anbindung der City-Galerie gilt als ausreichend;
  • Nachteile für Fahrgäste: Eine Ringlinie könnte zu mehr Umstiegen führen, da nicht mehr alle Linien den zentralen Knoten­punkt Königsplatz anfahren würden;
  • Netzstabilität: Die Stadt betont, dass die Gleise in der Maximilian­straße betrieb­lich notwendig sind (z.B. für Umleitungen, Havarien und Ein-/Ausrück­fahrten) und nicht entfallen können.

4. Bauliche Herausforderungen und Umwelt

  • Flächenmangel: In der Karlstraße und am Leonhards­berg reichen die Straßen­breiten kaum aus, um moderne Standards für Rad- und Fußwege gleich­zeitig mit einem eigenen Gleis­körper umzusetzen;
  • Eingriff in Grünbestand: Besonders an der Jakoberwall­straße müssten massiv Bäume (bis zu drei Baumreihen) gefällt werden, um die not­wendigen Mindest­breiten für die Verkehrs­anlagen zu reali­sieren.