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Samstag, 31.01.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Plakatstreit in Augsburg: AfD sieht sich als Hauptziel von Sabotage

Der Auftakt zur heißen Phase des Kommunal­wahlkampfs 2026 in Augsburg verlief turbulent. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar – dem offi­ziellen Startschuss für die Plakatierung – war es zwischen Vertretern der AfD und der V-Partei³ zu Streitig­keiten gekommen. Vom politischen Gegner in die Rolle des Aggressors gedrängt, setzt die Augsburger AfD-Fraktion nun mit harten Zahlen zur Gegen­darstellung an.

Von Bruno Stubenrauch

AfD-Wahlwerbung (Foto: DAZ)

In einer Presse­mit­teilung prä­sen­tiert Andreas Jurca, Stadt­rat und Land­tags­abge­ord­neter der AfD, Zahlen, die er beim Baye­rischen LKA ab­ge­fragt hat. Dem­nach ist die AfD seit Jah­ren die am stärk­sten be­trof­fene Par­tei im Be­reich der po­li­tisch moti­vier­ten Krimi­nali­tät gegen Wahl­werbung. Jurca nennt fol­gende Zahlen für Bayern:

  • 2021 (Bundestags­wahljahr): 350 Delikte,
  • 2023 (Landtags­wahljahr): 254 Delikte,
  • 2025 (I.–III. Quartal): Bereits 318 Delikte.

Nach Recherchen der DAZ zum Jahr 2021 lag die AfD als Betroffene tatsächlich mit 350 erfassten Fällen (Diebstahl und Sach­beschädi­gung) weit vor den Grünen (232), der CSU (156) und der SPD (104). Statistisch gesehen entfiel damit rund ein Drittel aller Angriffe auf Wahl­plakate in Bayern auf die AfD.

Kritik an der Justiz: „Faktisch folgenlos“

Neben der schieren Anzahl der Vorfälle kriti­siert Andreas Jurca vor allem den juri­stischen Umgang damit. Die Staats­anwalt­schaft Augsburg stelle Verfahren gegen auf frischer Tat ertappte „Plakatjäger“ regelmäßig wegen Gering­fügigkeit ein. „Diese Praxis sendet ein fatales Signal“, so Jurca. Er spricht von einem ent­stehenden „rechts­freien Raum“, in dem die Zer­störung von Wahl­werbung als Kavaliers­delikt behandelt werde.

Forderung nach ehrlicher Debatte

In der Presseerklärung weist die AfD Augsburg zudem den Vorwurf zurück, im nächt­lichen Plakat­streit am ver­gangenen Sonntag der Aggressor gewesen zu sein. Vielmehr fordert die Partei eine „fakten­basierte Debatte ohne Doppel­moral“. Angesichts der vorliegenden LKA-Zahlen müsse anerkannt werden, dass die AfD seit Jahren das Hauptopfer politisch motivierter Sach­beschädi­gung im Wahlkampf sei.

Gegenüber der DAZ schilderte Erich Schreiber, Listen­kandidat Nr. 4 der AfD, seine nächtliche Kon­frontation beim Plakatieren mit Roland Wegner, OB- und Spitzen­kandidat der V-Partei³ so:

Man sei sich in der Hans-Böckler-Straße begegnet. Wegner habe dort seine Plakate, die etwa 1,20 m hoch waren, so ungünstig auf halber Höhe an Lichtmasten befestigt, dass weder darunter, noch unter Einhaltung der vor­ge­schriebenen Obergrenze von 3 Metern darüber ein zweites Plakat angebracht werden konnte. Als Schreiber ihn bat, das zu ändern, habe Wegner sich nicht kompro­miss­bereit gezeigt. Als er sein Handy zückte, um die Situation zu doku­men­tieren, sei er von Wegner aufgefordert worden, das – noch nicht gemachte – Foto zu löschen. Dann sei es laut geworden und Wegner habe ihn angerempelt, so Schreiber. Die Begeg­nungen mit allen anderen Parteien beim nächt­lichen Plaka­tieren seien hingegen stets freundlich, teils sogar humorvoll gewesen.

Über den genauen Ablauf in der Hans-Böckler-Straße gehen die Schilde­rungen der Männer auseinander. Wegner hatte bereits am Sonntag angegeben, er sei beleidigt und tätlich angegriffen worden. Für die Polizei­dienst­stelle, bei der beide an den Folgetagen vorstellig waren, scheint aber die kurze Rempelei für eine Körper­verletzung nicht aus­gereicht zu haben. Die beiden Kontra­henten haben sich inzwischen gegen­seitig wegen Beleidigung angezeigt.


Nächtlicher Streit um Plakat-Platzierungen