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Donnerstag, 10.11.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Buch und Welt

Der Deutsche Buchhandlungspreis ist vergeben – Augsburger Buchhandlung ausgezeichnet

Der Deutsche Buchhandlungspreis prämiert kleine, inhabergeführte Buchhandlungen, die ein anspruchsvolles und vielseitiges literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung für Kinder und Jugendliche engagieren.

Zu Besuch bei Idrizovic am Obstmarkt: Das Team der Buchhandlung „WortReich“, die mit der Kategorie „Besonders Herausragend“ gewürdigt wurde – Foto: © DAZ

Die mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 850.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in drei Kategorien an Buchhandlungen verliehen, deren Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag. In der Bundesrepublik kommen dafür zirka 1000 Buchhandlungen in Frage. Zirka 400 Buchhandlungen bewerben sich um die Würdigungen.

Preisträger in der Kategorie „Beste Buchhandlungen“

In dieser Kategorie wurden die folgenden drei Buchhandlungen mit einem Gütesiegel und einer Prämie in Höhe von je 25.000 Euro ausgezeichnet:

Buchhandlung Schatzinsel, Bernau (Brandenburg)

Friedrich Schaumburg, Stade (Niedersachsen)

Logbuch, Bremen

Preisträger in de Kategorie „Besonders herausragende Buchhandlungen“

In dieser Kategorie zeichnete Claudia Roth die folgenden fünf Buchhandlungen mit einem Gütesiegel und einer Prämie in Höhe von je 15.000 Euro aus:

Büchers Best, Dresden (Sachsen)

Buchhandlung Wolgast, Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern)

Buchhandlung WortReich, Kerpen (Nordrhein-Westfalen)

Literatur Moths, München (Bayern)

Quichotte – Literarische Buchhandlung, Tübingen (Baden-Württemberg)

100 Buchhandlungen wurden mit der Kategorie herausragende Buchhandlung ausgezeichnet 

Darunter zehn bayerische Buchhandlungen, eine davon aus Augsburg, nämlich Kurt Idrizovics „Buchhandlung am Obstmarkt“.

Herausragende Buchhandlung und ihr Inhaber Kurt Idrizovic © DAZ

Da die Verleihung durch Kulturstaatsministerin Claudia Roth dieses Jahr im Augsburger Goldenen Saal in Augsburg stattfand (Claudia Roth stammt aus dem Umland), gingen die beiden Laudatorinnen auf die Stadt und ihre preisgekrönte Buchhandlung speziell ein: „Bis heute darf sich Augsburg über viele große wie kleine Buchhandlungen freuen, einige mit einer mehr als 300-jährigen Geschichte“, so Augsburgs zweite Bürgermeisterin und Bildungsreferentin Martina Wild, die ihre Heimatstadt als „idealen Ort“ für die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises bezeichnete. Dass die Augsburger „Buchhandlung am Obstmarkt“ ausgezeichnet wurde, blieb in ihrer Rede nicht unerwähnt: „Jeder hier weiß, dass die Buchhandlung von Kurt Idrizovic zu den umtriebigsten Kulturvermittlern in der Stadt zählt.“

Auch Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, bedachte Idrizovic und seine Buchhandlung am Obstmarkt in ihrer Rede mit einem Sonderlob –  und verwies auf den in der Augsburger Buchhandlung integrierten Brechtshop: „Bertolt Brecht, der – dass muss hier einmal gesagt werden – ja ein Augsburger ist.“

„Sie sind im besten Sinne Kontaktberater:innen, Brückenbauerinnen, Wegbereiter, Sie öffnen uns den Weg in die Welt des Buchs – den Weg in ferne unbekannte Welten, in die Welt der Poesie, den Weg in das Sich-fallen-Lassen“, so würdigte Roth die Tätigkeit der Buchhändler zu Beginn ihrer Rede, die im weiteren Verlauf das Gesamtbild des Buchhandels zum Gegenstand hatte: „Buchhandlungen sind ein elementar wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft. Denn Bücher sind ein Rückgrat unserer demokratischen Kultur, und der stationäre Buchhandel ermöglicht- gerade auch im ländlichen Raum – den Zugang und die Begegnung mit Literatur in all ihren vielfältigen Formen. Die Buchhandlungen haben schwierige Jahre hinter sich, nicht zuletzt die Pandemie war für viele von ihnen eine existenzielle Bedrohung. Aber sie haben sie – mit neuen Vertriebswegen, Social-Media-Aktivitäten und vielfältigen digitalen Veranstaltungen – also mit viel Mut und Phantasie bewältigt.“ Claudia Roth weiter: „Jetzt gibt es neue Herausforderungen – nicht zuletzt durch den Angriffskrieg Putins in der Ukraine -, insbesondere in Form von enormen Preissteigerungen bei Rohstoffen und Produktionskosten. Diese Herausforderungen kann die Politik nicht beseitigen, aber sie kann dem Buchhandel durch die Garantie bewährter Rahmenbedingungen zur Seite stehen. Der Buchpreis ist dafür das wichtigste Instrument. Er verhindert, dass Bücher als einfache Produkte, etwa durch den Online-Handel unterboten werden. Dafür werden wir auch in Zukunft sorgen. Auch sind wir im Gespräch mit der Branche, wie Buchhandlungen und auch Verlage in dieser besonderen Situation noch stärker unterstützt werden könnten.“

Roth erhielt für ihre Rede und ihr Auftreten („Total authentisch“, so Michael Schnorrenberger, Chef der Kölner Buchhandlung „Wortreich“.), großen Respekt der zirka 300 Anwesenden, was auch damit zu tun hatte, dass die Veranstaltung trotz der großen Anzahl der Prämierten sehr stringent durchgeführt wurde, ohne dabei an Qualität einzubüßen.

Die Preisträger wurden von einer unabhängigen Fachjury unter dem Vorsitz von Knut Cordsen (Moderator, Literaturkritiker) aus 435 Bewerbungen ausgewählt. Weitere Jurymitglieder waren Jim Baker (Querverlag), Monika Bilstein (Peter Hammer Verlang), Christian Geschke (Verlagsvertreter), Britta Jürgs (AvivA Verlag), Shelly Kupferberg (Journalistin, Moderatorin, Autorin) und Manuela Reichart (Autorin, Literaturkritikerin).