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Dienstag, 13.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga

Kommentar zum FCA: Pepi führt die lange Liste der gescheiterten Stürmer an

Am morgigen Sonntag, den 4. September (15.30 Uhr), ist mit Hertha BSC in Augsburg ein Bundesligaklub zu Gast, der groß träumt, aber auf dem Platz kaum mehr bewegt, als das Kopfschütteln der Zuschauer. Der Berliner Hauptstadtklub könnte als großer Bruder des FCA durchgehen, weshalb man mit einem Spiel ohne Spektakel rechnen muss.

Von Siegfried Zagler

Bochum, Schalke und vielleicht die Berliner Hertha sind die Vereine, die am Ende des Tages mit etwas Glück in der Tabelle hinter dem FCA stehen könnten. Wie die Perspektive der Augsburger für diese Saison aussieht, ist nämlich ziemlich einfach zu prognostizieren: schlecht.

Das hat auch damit zu tun, dass der FCA für seine Verhältnisse im Transferbereich deutlich zu viel Geld verbrannt hat und deshalb in seiner 12. Bundesligasaison mit mehr Problemen zu kämpfen hat, als er bewältigen kann. Das liegt zum einen daran, dass durch die schweren Verletzungen von Oxford, Uduokhai und Dorsch die Augsburger Abwehr instabil geworden ist, und hat zum anderen damit zu tun, dass die FCA-Offensive seit Jahren zum Schwächsten gehört, was in der Bundesliga je gesehen wurde.

Mit Ricardo Pepi hat im Laufe dieser Woche ein junger Spieler den FCA verlassen, der in insgesamt 16 Pflichtspielen saisonübergreifend für den FC Augsburg als Stürmer auf dem Platz stand. Fünfmal lief der US-Boy in der Startelf ein, zehnmal wurde er eingewechselt. Nimmt man die 14 Minuten Einsatzzeit des Pokalspiels in Lohne dazu, absolvierte Pepi insgesamt 582 Pflichtspielminuten für den FC Augsburg.

Pepi erzielte dabei kein Tor und kreierte keine Torvorlage und deutete in keiner einzigen Aktion im Trikot des FCA an, dass er ein fußballerisches Potential besitzt, das sich noch entfalten könnte. Das Gegenteil war zu beobachten: Seine Ballverarbeitung, seine Dribblings, seine Laufwege, seine Zweikämpfe und Abschlussversuche waren weit von der Klasse eines durchschnittlichen Bundesligaspielers entfernt, sodass sich niemand einen Reim darauf machen konnte, warum der FCA einen dergestalt eigenschaftslosen Fußballer von der niederschwelligen MSL nach Augsburg lotste – für eine skandalöse Ablösesumme von zirka 16 Millionen Euro. Darüber hinaus wurde Pepi mit einem gut dotierten Vertrag bis 2026 gebunden.

Der Spieler, der vom FCA jahrelang beobachtet worden sein soll (Reuter), wurde nach 582 Spielminuten nun für ein Jahr nach Groningen verliehen – in die holländische Eredivisie. Nach diesem Jahr wird er wieder beim FCA aufschlagen, da nicht damit zu rechnen ist, dass Pepi irgendwo mehr Geld verdienen könnte als beim FC Augsburg, der für seine „Fähigkeit“ fußballerische Talente zu sehen, wo keine sind, bisher nicht bestraft wurde.

Dabei stehen die beiden Namen Koubek und Pepi für Fehleinkäufe, die sich in dieser Größenordnung nur subventionierte Operettenklubs wie Paris, Manchester, Madrid oder Barcelona leisten können. Für einen kleinen Bundesligaklub sind Fehlgriffe dieser Kategorie tödlich wie ein Gift, das langsam aber sicher wirkt. Auch die Liste der falschen Trainer könnte sich im Laufe dieser Saison zu einem Senkblei am Bein von Stefan Reuter verwandeln, der in der Tat um seinen Job bangen müsste, sollte der von ihm mit einem Dreijahresvertrag nach Augsburg gelobte Trainer Enrico Maaßen nicht liefern, was er versprochen hat: mitreißenden Fußball und genügend Punkte.

Damit sich die Torflaute im Augsburger Angriff nach Jahren der Windstille tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Sturm entwickelt, hat sich der FCA kurz vor Transferschluss mit Mergim Berisha einen weiteren Zentrumsstürmer geleistet, nachdem man Malone und Pepi verleihen konnte. Zusammen mit Ermedin Demirovic soll der nun von Fenerbahce mit Kaufoption geliehene Mergim Berisha den müden Augsburger Sturm beleben. Was die beiden gemeinsam haben: Seit 2017 wechselten sie auf Leihbasis jährlich die Klubs, ohne dabei nachhaltig zu überzeugen.

Stefan Reuters Optimismus in Sachen FCA-Sturm wirkt deshalb eher aufgesetzt als überzeugend. Ob es in der Bundesliga einen Klub gibt, der eine ähnlich umfangreiche Liste der gescheiterten Stürmer vorweisen kann, ist für diesen Kommentar nicht recherchiert worden. Die Liste der Stürmer, die am Lech baden gingen, ist nämlich ungeheuer lang: Kapplani, Mölders, Bance, Gogia, Musona, Sio, Raphael, Ji, Esswein, Milik, Tommy, Matavz, Parker, Usami, Richter, Cordova, Gregoritsch, Schieber, Malone, Niederlechner, Zeqiri und schließlich Pepi. Ob der rätselhafte Ruben Vargas sich noch als Stürmer entpuppt, ist noch nicht geklärt – möglich wäre es immerhin.

Da torgefährliche Mittelfeldspieler (bis auf Koo) beim FCA selten gesehen wurden, ist festzuhalten, dass Tobi Werner und Halil Altintop zumindest ansatzweise für Torgefahr aus dem Mittelfeld sorgten. In der Spitze überzeugten in elf Bundesligasaisons nur Raul Bobadilla und mit Abstrichen Alfred Finnbogason und André Hahn.

Dass der FCA mit dem Rekordtransfer-Stürmer Pepi einen Spieler nach 16 Spieleinsätzen abgibt, ist die richtige Reaktion auf einen Fehler, der sich bereits dutzendfach wiederholte: Der FCA hatte ganz selten ein Händchen für Stürmer.