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Dienstag, 13.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Kommentar zum FCA: Fußball der Grausamkeit

Dass der FCA unter seinem neuen Trainer Enrico Maaßen einen Schritt nach vorne gemacht haben soll, ist nicht zu erkennen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Auch mit Maaßen muss man hadern. Hatte er gegen Mainz „nur“ falsch gewechselt, schickte er gegen Hoffenheim eine falsch aufgestellte Startelf ins Gefecht. Viel schlechter als der FCA gegen die TSG nach vorne spielte, kann man es in der Bundesliga nicht machen.

Kommentar von Siegfried Zagler

Gegen Mainz falsch gewechselt, gegen Hoffenheim falsch aufgestellt: FCA-Trainer Enrico Maaßen

Warum der 76-jährige Franz Beckenbauer die Reise von Salzburg nach Sinsheim unternommen hat, wurde heute von der BILD aufgeklärt. Beckenbauer befand sich vor dem Spiel bei einem Medizincheck im nahen Heidelberg. Möglicherweise wurde Beckenbauer von seinem Spezi, dem Multimilliardär Dietmar Hopp am Abend zu einem glamourösen Dinner eingeladen, weshalb dem Kaiser das triste Geschehen auf dem Rasen wenig anzuhaben schien. Im Gegensatz zu einem Hoffenheim-Fan, der – nicht viel jünger als Beckenbauer – kurz nach Spielende zusammen mit seinen beiden Enkelkindern an einem der Eisstände (!) direkt hinter der Gegentribüne stand:

„Meine Güte waren die harmlos. Ich habe noch nie eine harmlosere Mannschaft hier gesehen.“

„Opa, die Erdbeermixe kostet extra, kann ich trotzdem Sahne mit Erdbeersoße haben?“

„Auch nicht Darmstadt, Paderborn, Bielefeld oder Fürth?“, wollte das ältere Enkelkind wissen.

„Natürlich nicht. Auch Darmstadt war gefährlicher“, sagte Großvater und bezahlte pro Kugel 1,20 Euro plus den Erdbeeraufschlag. Etwa zur gleichen Zeit sollte Augsburgs neuer Cheftrainer Enrico Maaßen in ein Sky-Mikrofon sagen, dass er erneut bei seiner Mannschaft „Fortschritte“ erkennen könne.

Diese Meinung hat Maaßen exklusiv und das hätte wohl unseren Hoffenheim-Experten am Eisstand zur sarkastischen Frage veranlasst, wie schlecht wohl die Augsburger vor ihrem hilflosen Auftritt in der Sinsheimer PreZero Arena gespielt hätten.

Maaßens Einschätzung kann sich also nur auf das Defensivverhalten seiner Mannschaft beziehen, die formal offensiv aufgestellt war, aber faktisch nur verteidigte, indem die schnellen Stürmer der Sinsheimer mittels Manndeckung zugestellt wurden und der FCA das Zentrum aufmerksam mit Gouweleeuw und Bauer verteidigte – im Verbund mit Iago, Rexhbecaj, Pedersen und Framberger zeigte der FCA, dass er hoch verteidigen kann, aber sonst nichts.

Mit dem Ball konnte der FCA keinen einzigen Angriff mit Torgefahr generieren. Iago und Pedersen starteten keinen einzigen Flankenlauf und der schnelle Framberger hielt zwar tapfer die rechte Außenseite, wurde aber kaum mitgenommen. In der Mitte stand der eigenschaftslose Pepi und verstolperte Ball um Ball, während Demirovic, die zweite Augsburger Spitze (!) kaum einen Ball erhielt, der verwertbar gewesen wäre. Arne Maier und Frederik Jensen, die wohl zusammen mit Rexhbecaj auch als Ballverteiler und Zuspieler agieren sollten, waren damit überfordert. Ein Umstand, der auch der Situation geschuldet war, dass Demirovic und Pepi bestenfalls als Einzelspieler und nicht als Sturmduo agierten. Vermutlich hatte das auch damit zu tun, dass sie es nicht besser können.

In einem Spiel über 95 Minuten wurde kein einziges Mal nach vorne eine Lösung gefunden, die zu einem gefährlichen Abschluss hätte führen können – weder konkret, noch optional. Einfache Bälle wurden verstolpert, einfache Anspiele landeten im Aus oder beim Gegner. Es gab keine einzige Szene, bei der ein ballführender FCA-Spieler Tempo aufnahm.

Erstens dauerte es zu lange, bis Pepi oder Demirovic, Pedersen oder Jensen Räume anboten und zweitens waren die Pässe der FCA-Spieler erschreckend ungenau oder einfach hilflos ins Nichts „getimt“. Die Grausamkeit des FCA besteht nun darin, dass man zwar will und wohl auch weiß wie es geht, es aber nicht kann.

Jens Vogt kann noch in Bedrängnis einen sicheren Pass spielen, kann einen genauen wie klugen weiten Ball spielen, Jeffrey Gouweleeuew nicht. Spieler von der Klasse eines Andrey Kramaric kann sich ein FCA nicht leisten, weshalb er nur über Teamwork und Tempo bei der überlegenen Konkurrenz punkten kann.

Beides war in Sinsheim nichts zu sehen. Wer so auftritt, wie der FCA in den vergangenen vier Bundesligaspielen, dem fehlt die Bundesligatauglichkeit. Also bleibt wieder nur die Hoffnung, dass es zwei oder drei Klubs gibt, die noch schlechter als der FCA sind. Dumm nur, dass Darmstadt, Paderborn, Bielefeld und Fürth wieder in der zweiten Liga kicken.