DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 12.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Zeitgeschichte

Fugger-Denkmal bekommt Schreibfeder zurück

Nach rund 60 Jahren erhält das Augsburger Fugger-Denkmal am Fuggerplatz gestohlene Schreibfeder zurück

Theresia Gräfin Fugger von Glött, Finderin Dagmar Reitmeir und Oberbürgermeisterin Eva Weber mit Schreibfeder des Denkmals am Fuggerplatz — Foto: Ruth Plössel / Stadt Augsburg

Nach mehr als einem halben Jahrhundert bekommt das Denkmal am Fuggerplatz seine gestohlene Schreibfeder zurück. Sie tauchte im Nachlass einer Verstorbenen auf. Die inzwischen in Landsberg lebende Tochter der Verstorbenen gab sie nun an die Stadt Augsburg zurück. Nach ihren Angaben hatte ihr Stiefvater als Kind die Schreibfeder Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre zusammen mit Freunden dem Denkmal entrissen.

Die 35 cm lange Schreibfeder zierte vor ihrem Verschwinden die Hand der vom abgedankten Bayern-König Ludwig I. gestifteten Staute, die 1857 in Augsburg aufgestellt wurde. Ironischerweise erinnert das einzige Fuggerdenkmal in der „Fuggerstadt Augsburg“ an den Bankrotteur der drei großen Generationen der mächtigen Augsburger Handelsfamilie. Wegen seiner Schulden musste er seine wertvolle Büchersammlung an Albrecht V. von Bayern verkaufen. Der Herzog von Bayern schuf auf dieser Grundlage die Hofbibliothek in München, aus der die heutige Bayerische Staatsbibliothek entstand. Hans Jakob Fugger gilt als einer der größten Buchsammler des 16. Jahrhunderts. Die 2,60 hohe und 1,8 Tonnen schwere Statue in der Augsburger Innenstadt zeigte ihn deshalb mit einer Pergamentrolle in der linken und einer Schreibfeder in der rechten Hand – und zeigt ihn wohl demnächst wieder mit einer Nachbildung der zurückgegebenen Schreibfeder, da das Original ins Museum wandert.

Foto: Ruth Plössel / Stadt Augsburg

„Dieser außergewöhnliche Augsburger hat mit seiner kostbaren Sammlung das Fundament für die Bayerische Staatsbibliothek gelegt, eine Kathedrale des bayerischen Geistes und eine der größten und bedeutendsten Gedächtnisinstitutionen Europas. Und fast 500 Jahre nach seinem Tod schenkt er unserer Stadt ausgerechnet mit einer Schreibfeder eine weitere bemerkenswerte Geschichte!“ So wird Augsburgs Oberbürgermeisterin in einer städtischen Pressemitteilung zitiert.