DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 28.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

FCA: Ein Ausrufezeichen im Kampf gegen den Abstieg

FCA-Fans, die sich schweren Herzens gegen den Besuch des Finales des Brecht Festivals mit Corinna Harfouch im TIM (Titel: „Ja, ich folge diesem Kleinen Alten, bisweilen“), entschieden hatten und stattdessen ihrem Klub am 24. Spieltag in die WWK Arena (mit 15.330 Zuschauern erstmals wieder ausverkauft!) gefolgt waren, mussten ihre Entscheidung nicht bereuen. Sie wurden mit einem leidenschaftlichen Auftritt des FCA und dem erhofften Punktgewinn für ihre Treue belohnt.

Von Udo Legner

World Wide Brecht – das Festival-Motto war auch in der WWK-Arena omnipräsent, wenn auch mit anderer Zielrichtung, die der aktuellen politischen Entwicklung Rechnung trug. Schon seit Donnerstag leuchtete die WWK Arena in Blau und Gelb. Und der FC Augsburg setzte ein weiteres Zeichen gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine, indem er seine Spieler zum Aufwärmen mit Trikots in den Landesfarben der Ukraine mit dem Schriftzug „Friedensstadt Augsburg“ antreten ließ. „Gemeinsam für den Frieden“ – so lautete das Banner, hinter dem sich vor Spielbeginn beide Teams versammelten.

FCA-Trainer Markus Weinzierl nahm nach seiner Corona-Quarantäne im Vergleich zur 1:2 Heimniederlage gegen Freiburg gleich fünf Wechsel vor. In der Anfangsformation standen Ricardo Pepi, Daniel Caligiuri, Felix Uduokhai, Mads Pedersen und Arne Maier. In den ersten Minuten war klar zu erkennen, dass die FCA-Spieler den Worten ihres  Trainers („Wir wollen es gegen Dortmund besser machen.“) Taten folgen lassen wollten.

So lief das Offensiv-Trio Vargas-Gregoritsch-Pepi den Gegner permanent an und störte den Dortmunder Spielaufbau. Die erste Torchance erspielten sich dennoch die Gäste, doch FCA- Keeper Rafal Gikiewicz konnte gegen Malen (3.) klären. Auf der Gegenseite setzte sich FCA-Goalgetter Michael Gregoritsch nach einem von Arne Maier getretenem Eckball gegen seinen Gegenspieler Axel Witsel durch, doch sein Kopfball strich knapp am rechten Pfosten (11.) vorbei. Dem BVB gelang es in der Folge, seinen Ballkombinationen mehr Sicherheit zu geben und sich weitere Chancen zu erspielen. Nach einem Musterpass von Jude Bellingham auf Guerreiro, der von der linken Außenbahn auf Dahoud weiterleitete, bedurfte es einer Glanzparade von Gikiewicz um dessen Flachschuss ins linke untere Eck unschädlich zu machen und einen frühen Rückstand zu vermeiden.

Pepi erneut enttäuschend

Mit weiterem Spielverlauf fiel das Pressing der Augsburger nicht mehr ganz so hoch aus, wie in der Anfangsphase. Der Unterschied zwischen dem Tabellenzweiten und dem Tabellenfünfzehnten: Der BVB kombinierte sich immer wieder bis zum Augsburger Strafraum durch, während sich das Kombinationsspiel auf Augsburger Seite fast ausnahmslos auf die eigene Hälfte beschränkte.

Der Führungstreffer der Dortmunder entsprang allerdings einer Einzelaktion. Der Belgier Hazard dribbelte sich von rechts außen in den Augsburger Strafraum, gab erst Pedersen und dann Uduokhai das Nachsehen und überwand Keeper Gikiewicz mit einem Flachschuss (35.) aus spitzem Winkel ins linke untere Eck. In der 41. Minute hatten die Dortmunder die Chance, ihre Führung auszubauen. Nach einem Patzer im Augsburger Aufbauspiel erhielt Julian Brandt den Ball und passte auf den völlig freistehenden Jude Bellingham. Doch durch die Bilderbuch-Grätsche seines Landsmanns Oxford konnte diese Großchance der Gäste gerade noch vereitelt werden.

Auf der Gegenseite der letzte Aufreger vor der Pause: Gregoritsch wurde im Strafraum bedrängt und kam zum Fall, doch dem Aufschrei der Fans und den Protesten des FCA wurde zu Recht nicht stattgegeben, da die Situation für einen Strafstoß zu harmlos war. 

Fazit zur Halbzeit: Verdiente Gästeführung, da sich der FCA nach starkem Beginn ganz auf die Defensive beschränkte und kaum Torgefährlichkeit ausstrahlte.

Die Anfangsphase der zweiten Hälfte gehörte dem BVB, der es versäumte, seine Großchancen zu nutzen. Nach Vorlage von Malen zog Brandt von der Strafraumgrenze ab (47.), doch Gikiewicz war auf dem Posten. Kurz darauf (51.) spielte Malen Gouweleeuw aus und feuerte scharf auf das FCA-Gehäuse. Mit dem Glück des Tüchtigen konnte Gikiewicz den Schuss gerade noch an den Querbalken lenken. Fortune hatte der FCA auch, als ein Schuss des Niederländers aus spitzem Winkel an den rechten Außenpfosten ging (55.).

Nach dieser Großchance der Gäste kämpfte sich der FCA zurück ins Spiel. Endlich gelangen dem bislang blassen Ruben Vargas erste Vorstöße auf der linken Aussenbahn, die im Zusammenspiel mit Pedersen zumindest für Torannäherungen sorgten. Dass es in dieser Phase für den FCA nicht zu mehr reichte, hatte zwei Ursachen: die fehlende letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Tor und die mangelnde individuelle Klasse der Augsburger Offensivabteilung.

„Alle großen Ideen scheitern an den Leuten.“ (Bert Brecht)

Durch einen Doppelwechsel reagierte Markus Weinzierl auf diesen Missstand: Carlos Gruezo ersetzte den platzverweisgefährdeten Niklas Dorsch und Florian Niederlechner kam für den erneut enttäuschenden Ricardo Pepi ins Spiel. Die Wechsel zahlten sich sofort aus und der FCA kam endlich wieder zu Torraumszenen. Kapitän Jeffrey Gouweleeuw kam im Strafraum an den Ball, setzte seinen Kopfball jedoch aus gut sieben Metern (66.) direkt in Gregor Kobels Arme. Die eingewechselten Noah Sarenren Bazee (70.) und Iago (71.) brachten noch mehr Schwung ins Augsburger Angriffsspiel und in der 78. Minute gelang dem FCA gegen die nachlassenden Dortmunder der vielumjubelte Ausgleichstreffer. 

Nach Zuspiel von Ruben Vargas flankte Iago in den Dortmunder Strafraum, wo Dortmunds Pongracic mit dem Kopf auf Maier verlängert. Dessen Direktabnahme erreichte als Aufsetzer Joker Sarenren Bazee, der aus kurzer Distanz ins rechte Eck köpft!

Diesem Ausgleichstreffer der Augsburger hatte der BVB nichts mehr entgegenzusetzen und auch der FCA schaffte es in der Schlussphase nicht, dem konsternierten Gegner mit einem Lucky Punch den Garaus zu machen.

„Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns. Vor uns liegen die Mühen der Ebenen.“ (Bert Brecht)

Durch diesen Punktgewinn gegen den Tabellenzweiten verließ der FCA den Relegationsplatz und kletterte auf den Rang 15. Bleibt zu hoffen, dass der FCA durch diesen Punktgewinn gegen den Tabellenzweiten Selbstvertrauen für den weiteren Abstiegskampf tankte und der Aufwärtstrend auch beim nächsten Auswärtsspiel gegen den Tabellennachbarn Bielefeld (Freitag, 20.30 Uhr) anhält.

FC Augsburg: Gikiewicz – Oxford, Gouweleeuw, Uduokhai – Caligiuri, Pedersen (71. Iago), Maier, Dorsch (60. Gruezo), Pepi (60. Niederlechner), Vargas (89. Günther) – Gregoritsch (71. Bazee).

Borussia Dortmund: Kobel – Can, Hummels, Pongracic – Hazard, Witsel, Guerreiro, Dahoud (81. Reinier), Bellingham – Brandt (69.Wolf), Malen (69. Moukoko).