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Freitag, 23.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Zwischen Entsetzen und Bewunderung“

Al-Jazeera Korrespondentin berichtet, wie Araber den Westen wahrnehmen

Welche Assoziationen die Worte „Islam“, „Araber“ und „Nahost“ im Westen derzeit auslösen, lässt sich täglich in den Medien mitverfolgen. Doch so offensichtlich wie die Klischees über „die Anderen” sind, so wenig beschäftigen wir uns damit, was diese „Anderen“ über uns denken. Was empfinden Menschen in Damaskus oder Doha, wenn Sie von Deutschland hören? Welchen Werten wird nachgeeifert – welche werden verworfen? Wer diesen Fragen nachgeht, erhält ein vielfältiges, manchmal widersprüchliches Bild: Kaum eine Region der Welt ist äußerlich so verwestlicht wie etwa die arabischen Golfstaaten und kaum eine ist gleichzeitig so anders als das, was als europäisches Abendland bezeichnet wird.

Mehr denn je schwanken die arabischen Gesellschaften zwischen dem Wunsch nach Abgrenzung vom Westen – und der oft blinden Imitation westlicher Trends. Inmitten der spannungsgeladenen Mischung aus Entsetzen und Bewunderung fällt nur selten auf, dass sich da jene Stereotypen spiegeln, die es hier über Muslime gibt: Während die „Unterdrückung der Frau” und „politische Gewaltbereitschaft” im Westen fast als Charakteristika der arabisch-islamischen Kultur gelten, stellen viele Araber genau das Gegenteil fest: Wenn eine unterdrückt sei, dann die westliche Frau. Und wenn eine Kultur zu Gewalt neige, dann diejenige, die allein in den letzten Jahren Millionen muslimische Todesopfer zu verantworten habe.

Die Journalisten, Politik- und Sozialwissenschaftlerin Stephanie Dötzer spricht unter dem Titel „Zwischen Entsetzen und Bewunderung – Wie Araber den Westen wahrnehmen“ am Dienstag, 15. März um 19.30 beim Mesopotamien Verein (Mendelssohnstraße 21) über jene Bilder und Missverständnisse, an denen so mancher interkultureller Dialog gescheitert ist – manchmal tragisch, manchmal amüsant, immer möglichst nah am Alltagsleben. Dötzer hat in Paris soziologische Feldforschung zum Islamverständnis junger Muslime betrieben. Als Journalistin war sie nicht nur für deutsche Medien (zum Beispiel als Redakteurin und Reporterin des SWR), sondern auch beispielsweise für eine libanesischen Tageszeitung und das syrische Fernsehen tätig. Heute arbeitet sie als freie Autorin im Nahen Osten, unter anderem für den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera, für den sie zwei Jahre lang als Redakteurin in Katar war. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind arabische Alltagsgeschichten, Stereotypen, palästinensische Flüchtlinge und islamischer Feminismus. Ein weites Betätigungsfeld also, das einen spannenden Vortrag und neue Erkenntnisse aus erster Hand verspricht.

Hier gibt’s ein Interview des Süddeutschen Magazins mit Stephanie Dötzer.

Stephanie Dötzer: „Zwischen Entsetzen und Bewunderung – Wie Araber den Westen wahrnehmen.“

Dienstag, 15. März 2011 um 19.30 beim Mesopotamien Verein (Mendelssohnstraße 21) im Rahmen der Interkulturellen Akademie.