DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Zweiter Warnstreik im Augsburger ÖPNV

Die Augsburger Bus- und Straßenbahnfahrer werden diese Woche wieder einen ganzen Tag streiken. Am Samstag warben gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter des Fahrdienstes mit einer Flugblatt-Aktion am Kö um Verständnis bei den Fahrgästen.

Bis zum Jahr 2000 waren die Verkehrsbetriebe ein städtischer Eigenbetrieb. Bezahlt wurde nach BMT-G (Bundesmanteltarifvertrag für Arbeiter gemeindlicher Verwaltungen und Betriebe). Nach der Privatisierung wurde nach dem Tarifvertrag Nahverkehr Bayern (TV-N) bezahlt, derzeit läuft die Angleichung an den noch niedrigeren Lohntarif des privaten Omnibusgewerbes in Bayern (LBO-Tarif). Für die Fahrer bedeutet das Lohneinbußen, nur durch eine Übergangsregelung abgemindert. Ein Abschmelzungs-Tarifvertrag regelt, dass die Fahrer jedes Jahr 40 Euro weniger Einstiegs-Monatslohn bekommen, bis das Niveau der LBO-Tarife erreicht ist.

Bruno Stubenrauch im Gespräch mit Fahrer Herbert Frommknecht

Bruno Stubenrauch im Gespräch mit Fahrer Herbert Frommknecht


Den Arbeitgeber-Einwand steigender Lohnkosten wollen die Mitarbeiter des Fahrdienstes deshalb nicht gelten lassen. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren der Personalstand bei den Fahrern der AVG stetig von 600 auf heute 470 zurückgegangen ist, bei insgesamt gleicher Fahrleistung. Dafür sollen die Fahrer jetzt länger ran, wenn es nach dem Wunsch der Arbeitgeber geht: die tarifliche Arbeitszeit soll um 1,5 Stunden auf 40 Wochenstunden angehoben werden. Fast 4 Prozent Mehrarbeit wären das, die das Angebot der Arbeitgeber von 4,5 Prozent mehr Lohn stark relativieren.

“Aber jetzt wollen auch wir guten Lohn für gute Arbeit!”

Man habe durch Verzicht nun genug dazu beigetragen, die Augsburger Verkehrs-Gesellschaft und die Verkehrs-GmbH wettbewerbsfähig zu machen, meinen die Fahrdienst-Mitarbeiter. Die Abwärtsentwicklung beim Einkommen müsse gestoppt werden, es soll endlich wieder etwas oben drauf geben. “Jetzt reicht es!” heißt es deshalb in dem Flugblatt, dass am Samstag am Kö verteilt wurde. Die Beschäftigten werben darin um Verständnis für den geplanten Warnstreik. 9,5% mehr Lohn sind das Ziel, mindestens aber 250 Euro monatlich.

Zum Streiktag war am Samstag noch kein eindeutiges Datum zu erfahren, der Fasching soll aber nicht verdorben werden. “Nicht am Montag und Dienstag”, so Hans Blöchl von ver.di Augsburg, “Donnerstag oder Freitag” war aus dem Fahrerlager zu vernehmen. Die Fahrgäste will man aber rechtzeitig informieren. Schließlich sind nicht sie es, die getroffen werden sollen, sondern die Arbeitgeber.