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Mittwoch, 06.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Zukunftswege: Auftrieb für junge Talente

Der Sieger des Kompositionswettbewerbs der Augsburger Philharmoniker präsentierte sich mit seinem Werk im letzten Sinfoniekonzert der Spielzeit.



Von Halrun Reinholz


Mit der Wahl des Programm-Mottos hatten die Macher der Konzertreihe ahnungslos ins Schwarze getroffen – die „Zukunftswege“ des Theaters sind ungewiss. Da sind die Philharmoniker und ihre Konzerte noch am besten aufgestellt. Erleichtert gab Juliane Votteler dies dem Konzertpublikum in der Kongresshalle bekannt – diese stehe ja weiterhin zur Verfügung, auch für die Konzerte der nächsten Saison.



D
ie Philharmoniker hatten in diesem Jahr ihr 150. Bestehen begangen und aus diesem Anlass einen Kompositionswettbewerb für den künstlerischen Nachwuchs ausgerufen. In diesem letzten Konzert wurden die drei Preisträger vorgestellt und gewürdigt. Dank großzügiger Sponsoren konnten drei sehr junge Männer ausgezeichnet werden und ihre Preise entgegennehmen: Lars Patrick Opfermann, geboren 1989, erhielt 1000 Euro als dritten Preis (gespendet von Monika und Dr. Rudolf Kraus), Severin Dornier, geboren 1993, bekam 2000 Euro als zweiten Preis (gespendet von der Stadtsparkasse). Der Sieger ist gerade 18 Jahre alt, Valentin Ruckerbier aus Wuppertal, Student in Düsseldorf. Ihm wurde vom Vertreter des Hauptsponsors der Philharmoniker MAN Diesel&Turbo ein Scheck über 4000 Euro überreicht. Die Uraufführung seines Stückes „Devourer“ war Teil des Konzertabends. Der Titel („Verschlinger“) bezieht sich auf Motive aus der nordischen Mythologie, aber auch metaphorisch auf die Aussage des Philosophen Hobbes, dass der Mensch des Menschen Wolf (homo homini lupus) sei, also seinesgleichen aus Eigennutz verschlingen würde. Ein beachtliches, beeindruckendes Werk, das von den Philharmonikern unter der Leitung des Gastdirigenten Nicholas Milton engagiert und unter großem Applaus des Publikums dargeboten wurde. Davor hatte das Orchester die „Zukunftswege“ mit Richard Wagners Tristan-Vorspiel eingeleitet – Klänge, die damals in die musikalische Zukunft wiesen.

Der Solist des Abends war auch ein von den Philharmonikern und ihren Sponsoren geförderter Künstler: Bernd Glemser, Artist in residence der laufenden Spielzeit, spielte virtuos und mit eleganter Leichtigkeit das Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur von Franz Liszt, damals auch ein Erneuerer und Sucher nach Innovation, und wurde vom Publikum entsprechend mit Ovationen bedacht. Im zweiten Teil des Konzerts dirigierte der gebürtige Australier Nicholas Milton, neben vielen anderen Posten derzeit GMD in Saarbrücken, noch Beethovens „Pastorale“, die – man soll es nicht glauben – auch auf ihre Art innovativ war und die „Programmusik“ gewissermaßen vorwegnahm.

Ein runder Konzertabend, der mal wieder vor Augen führte, was Augsburg an seinen Philharmonikern hat: Ein gut eingespieltes, hoch motiviertes Team, das mit Engagement nicht nur eigene Zwecke verfolgt, sondern auch den Nachwuchs fördert. Ja, für die Konzerte der Philharmoniker wird die Kongresshalle auch weiterhin zur Verfügung stehen. Sie war bei diesem letzten Konzert der Spielzeit lange vorher ausverkauft, und das an zwei Abenden. Das mag der Uraufführung geschuldet gewesen sein, aber auch weniger spektakuläre Programme locken immer wieder Musikliebhaber an – durchaus in erheblicher Zahl auch junge, wie sich bei einem Blick in den Saal feststellen ließ. So ist man froh um eine Konstante, wenn die restlichen „Zukunfstwege“ des Theaters auch noch etwas verschwommen im Nebel liegen.