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Dienstag, 31.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Wir tragen die Stimme der Unterdrückten in die Politik“

Frieden in der Türkei im Blick: In Augsburg diskutierten kurdische, alevitische und andere zivil­gesell­schaft­liche Gruppen auf der Konferenz „Demokratie, Gerechtigkeit und sozialer Frieden“ über den laufenden Friedens­prozess zwischen Abdullah Öcalan und dem türkischen Staat. Die Ver­anstaltung bot der Diaspora die Möglichkeit, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, Forderungen nach Menschen­rechten und Gleich­be­rech­tigung zu formulieren und gemeinsame Per­spektiven für Demokratie zu entwickeln.

Von Sait İçboyun

von links: Mustafa Aslan, Tülay Hatimoğulları, Moderatorin Denise Can, Umut Akdoğan (Foto: Deniz Babir)

Noch eine Woche zuvor hatte Tülay Hatimoğulları, Co-Vorsitzende der pro­kurdischen DEM-Partei, in Istanbul beim Newroz-Fest vor Hundert­tausenden gesprochen. Am 28. März 2026 saß sie in Augsburg-Oberhausen vor rund 200 Zuhörer:innen im Ale­vitischen Kultur­zentrum und Cemevi. Gemeinsam mit dem CHP-Abge­ordneten Umut Akdoğan und dem Aleviten­vertreter Mustafa Aslan diskutierte sie über politische Per­spek­tiven. Moderiert wurde die Ver­anstaltung von Denise Can.

Der Kontrast zwischen der Groß­ver­anstaltung in Istanbul und der Diskussion in Augsburg hätte kaum größer sein können. Und doch blieb die Botschaft dieselbe: Es geht um Frieden, Demokratie und gleiche Rechte für alle gesell­schaft­lichen Gruppen in der Türkei.

Themen der Konferenz: Frieden, Rechte und Reformen

Im Mittelpunkt der Konferenz standen zentrale gesell­schaft­liche und poli­tische Fragen:

  • die kurdische Frage und die Chancen eines Friedens­prozesses,
  • die Gleichberechtigung der Aleviten,
  • Frauenrechte, soziale Gerech­tigkeit und öko­logische Heraus­forderungen.

Hatimoğulları betonte, dass konkrete Schritte notwendig seien, um Vertrauen aufzubauen. Dazu gehörten die Umsetzung von Urteilen des Euro­päischen Gerichtshofs für Menschen­rechte, die Freilassung politischer Gefangener und die Stärkung kommunaler Selbst­verwaltungen.

Zugleich wurde auf strukturelle Probleme hingewiesen: Eine einseitige, zentra­listi­sche Regierungs­führung stelle eines der größten Hinder­nisse für Frieden dar. Genannt wurden unter anderem die einge­schränkte Unab­hängigkeit der Justiz, die Kontrolle der Medien, zunehmende Armut, Gewalt gegen Frauen und ökologische Zerstörung.

Auch die internationale Dimension spielte eine Rolle. Mit Blick auf die Konflikte im Nahen Osten wurde betont, dass die Region unter dem Einfluss globaler Mächte neu geordnet werde. Umso wichtiger sei es, dass unter­schiedliche Bevöl­kerungs­gruppen und Glaubens­gemein­schaften gemeinsame Wege des Dialogs und der Zusammen­arbeit entwickeln.

Unterschiedliche Perspektiven – gemeinsame Heraus­forderungen

Auch andere politische Positionen wurden sichtbar: CHP-Abgeordneter Umut Akdoğan stellte Reform­vorschläge seiner Partei vor, darunter Maßnahmen zur Stärkung kultureller Rechte und zur Aufar­beitung histo­rischer Konflikte. Dabei wurde deutlich, dass verschiedene politische Akteure ähnliche Probleme erkennen, jedoch unter­schiedliche Lösungs­ansätze verfolgen.

Die alevitischen Organisatoren hoben insbe­sondere die Bedeutung von religiöser Gleich­berech­tigung und Minder­heiten­rechten hervor. Eine nachhaltige Versöhnung könne nur gelingen, wenn die kulturellen und identi­tären Rechte aller gesell­schaft­lichen Gruppen vollständig anerkannt werden.

Ausblick

Ein Jahr nach den ersten neuen Signalen im Friedens­prozess zeigt sich ein gemischtes Bild: Es gibt Bewegung, doch viele zentrale Fragen bleiben offen. Ob es gelingt, Vertrauen zwischen den Konflikt­parteien aufzubauen und politische Reformen umzusetzen, ist weiterhin ungewiss.

Die Konferenz in Augsburg machte deutlich, dass die Ent­wicklungen in der Türkei weit über das Land hinaus beobachtet werden. In der Diaspora wird der Prozess aufmerksam verfolgt – mit Hoffnung, aber auch mit Skepsis.

Klar ist: Eine dauerhafte Lösung erfordert politische Schritte auf vielen Ebenen – und die Bereit­schaft, unter­schied­liche gesell­schaft­liche Gruppen gleich­be­rechtigt ein­zu­beziehen.


Tülay Hatimoğulları im Interview