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Sonntag, 24.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Wir müssen endlich anfangen zu machen, was wir bisher versäumt haben“

Interkulturelle Akademie Augsburg beginnt morgen mit neuer Vortragsreihe

Von Siegfried Zagler

Das umfangreiche neue Programm der Interkulturellen Akademie (Orient und Okzident, Teil VII) mit insgesamt 22 Vorträgen beginnt morgen, Freitag 16. September mit Leila Donner-Üretmek, zuständige Referentin im Bundesministerium des Innern für die „Deutsche Islam Konferenz“ und endet am 3. Mai 2012 mit einem Vortrag der Politikwissenschaftlerin Dr. Isabel Schäfer („Die arabischen Revolutionen und die EU-Politik“).

Die Deutsche Islam Konferenz „ist die erste gesamtstaatliche Antwort auf die relativ junge Präsenz von etwa vier Millionen Muslimen in Deutschland. Was ist das Ziel dieses Dialogforums, mit welchen Fragen beschäftigen sich die Teilnehmer und warum? Was kann die DIK leisten und welche Ergebnisse konnte sie bereits vorweisen?“, so wird der Vortrag im Programmheft angekündigt. Die Reihe – inzwischen in der siebten Auflage – ist ein Gemeinschaftswerk von Hansi Ruile (Kulturhaus Kresslesmühle), Stefan Glocker (Volkshochschule Augsburg) und dem Mesopotamienverein. „Wir müssen endlich anfangen zu machen, was wir bisher versäumt haben“, so Ruile, der in der einführenden Pressekonferenz am Mittwoch die Organisation der religiösen Vielfalt innerhalb der Zivielgesellschaften als einen „notwendigen zivilrechtlichen Prozess“ und alle politischen Reaktionen auf die Anschläge am 11. September als „gescheitert“ bezeichnete.



Ein Ungeheuer von einem Satz


„Das Programm ist politischer geworden“, so Stefan Glocker. Das ist leicht untertrieben, denn bereits der erste Satz des “Vorwortes” zum Programmheft zeigt an, dass ein kategorischer Imperativ hinter der Vortragsreihe steht: „Die öffentlichen Diskussionen um die vielkulturelle Gesellschaft, um die „Integration des Islam“ und die mediale Darstellung der Verhältnisse im Nahen Osten, der Türkei, Ägyptens, Syriens, Libyens und anderen muslimisch geprägten Gesellschaften wird insbesondere nach der Sarrazin-Diskussion weiterhin zunehmend von Polemiken, Bedrohungsszenarien, Terrorängsten und einem Denken in den Gegensätzen „Christliches Abendland gegen muslimisches Morgenland“ und mangelnder Kenntnis der historischen, ethnologischen, kulturellen und aktuellen politischen Hintergründe und Zusammenhänge geprägt.“

Ein Ungeheuer von einem Satz, nicht nur aufgrund der Länge, sondern weil er polarisierend (und polemisierend) die Annahme von Unkenntnis und Lagerbildung als gegebenes Szenario und somit quasi als belegtes gesellschaftliches Defizit anführt, dem man nun mit interkultureller Bildung beikommen müsse: „Interkulturelle Bildung, das Wissen voneinander und die interkulturelle Öffnung unserer Gesellschaft sind die Voraussetzungen, um auf diese Herausforderungen kompetent reagieren zu können.“

Orient und Okzident, Teil VII

„Die Deutsche Islam Konferenz: Informationen zum aktuellen Stand“

Leila Donner-Üretmek

Freitag, 16. September 2011, 19.30 Uhr

vhs Augsburg, Willy-Brandt-Platz 3a


Das gesamte Programm gibt es unter www.kresslesmuehle.de/akademie.

» Deep Link zum Programmheft (pdf, 1,7 MB)