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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Wie viel ist uns das Theater eigentlich wert?

Die Frage, ob ein Stadttheater heute noch jene gravierende gesellschaftliche und künstlerische Relevanz hat, die es in den städtischen Haushalten einnimmt, lässt sich mit einem einfachen „Nein“ beantworten. Das Problem ist allerdings dabei, dass den wenigsten Bürgern die haushalterische Schieflage ihrer Kommunen bewusst ist, während eine schwer von der Hand zu weisende Statusvirulenz weiterhin die Existenz der Stadttheater zu sichern scheint.

Kommentar von Siegfried Zagler

Was verbindet die Bürgerschaft mit dem Augsburger Stadttheater? Verbindet man damit eine gewachsene Struktur für die unerschrockene Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz, einen fernen Spiegel, ohne den unsere Lust, uns selbst und unsere Gesellschaft verstehen zu wollen, ihre Kraft verliert? Verstärkt das Theater unsere Reflexionsfähigkeit und verbindet man mit seiner jeweiligen „Hausbühne“ den kulturellen Stellenwert seines Wohnortes? Was kann uns das Spiel auf der Bühne heute und in der Zukunft geben? Kann sich das Augsburger Stadttheater aus sich selbst heraus begründen, da es tief in der Stadtgesellschaft verankert ist? Oder steht das Theater nur für sich selbst? Ist eine „Schließung aus künstlerischen Gründen“ (Bert Brecht) notwendig oder eben gerade nicht?

Diese aufregenden Fragen hätte man in einer nicht weniger aufregenden Debatte verhandeln können, hätten sich die Sanierungskritiker seinerzeit nicht verzettelt und ihr Anliegen in einen finalen Bürgerentscheid überführt. – Volker Schafitel hat es in seiner Pressekonferenz gestern nur kurz angedeutet, aber mit dem grauenvollen Scheitern der Sanierungskritker war es der Stadt möglich, ein waghalsiges Sanierungsprojekt auf den Weg zu bringen. Ein Projekt, das nicht wirklich ernsthaft hinterfragt wurde, steht nun wieder im Fokus der Kritik, nicht wegen gundsätzlicher Überlegungen, sondern weil es Schafitel bezüglich seiner Kostenplanung überprüft hat – plausibel überprüft hat, um genau zu sein.

Nun steht mehr als eine bloße Vermutung im politischen Raum. Schafitel hat nicht Birnen mit Äpfeln, sondern Theatersanierungsprojekte mit Theatersanierungsprojekten verglichen. Nun ist die Stadt an der Reihe, die düsteren Annahmen Schafitels zu zerstreuen. Es ist nämlich in der Tat zutreffend, dass das Projekt in der Bauplanung an Komplexität zugenommen hat, während die Kostenplanung immer auf dem gleichen Niveau blieb. Die Stadt hat ihren Bürgern in Sachen Theatersanierung absolute Transparenz versprochen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass sie darüber aufklärt, ob der Stand der Kostenplanung nach aktuellem Wissensstand einzuhalten ist – oder ob allein die „natürliche“ Baukostensteigerung dafür sorgt, dass die 200 Millionengrenze deutlich überschritten wird.

Der SPD, die beim Projektbeschluss einen Kostendeckel (186 Millionen Euro) forderte, möchte man die Frage stellen, bei welcher Summe sie das Projekt aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht mehr verantworten will. Die CSU setzt bei der Flüchtlingsfrage gerne Obergrenzen, bei Renommierprojekten scheint es für die CSU dagegen keine Obergrenzen zu geben. Unter den Grünen sollte es aber genug Köpfe geben, die ahnen, dass eine Verdoppelung der Theatersanierungskosten den städtischen Haushalt an die Wand fahren würde. Augsburg ist nicht Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Köln. Für eine kleine Stadt wie Augsburg stellen allein die laufenden Kosten eines Stadttheaters ein Problem dar. Würde man ehrlich mit den Kosten eines laufenden Stadttheaterbetriebs mit fast 400 Mitarbeitern umgehen, müsste die Kommune jährlich zusätzliche fünf Millionen Euro für den Erhalt der Gebäude aufbringen. Damit wären 30 Millionen Euro für den laufenden Theaterbetrieb pro Jahr spielend geknackt.

Falls die Finanzierung der aktuellen Theatersanierung 2039 tatsächlich abgeschlossen sein sollte, steht bereits die nächste Generalsanierung vor der Tür. Das Stadttheater ist ein Fass ohne Boden, und zwar unabhängig davon, ob seine Sanierung mit 200 oder mit 400 Millionen zu veranschlagen ist.

Bei welcher Summe würde die Lokalpolitik in Augsburg damit aufhören, von der Notwendigkeit eines städtischen Theaterbetriebs zu reden? Wann ist Schluss mit dem spießigen Glanz und künstlerischen Elend des Augsburger Stadttheaters? Wie viel ist uns unser Stadttheater eigentlich noch wert? Bei diesen Fragen sollte die Stadtregierung langsam ins Grübeln kommen und in der Lage sein, darüber nachzudenken, dass ihr die Theatersanierung bei einer explodierenden Kostenentwicklung bei der Kommunalwahl 2020 auf die Füße fallen wird.



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