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Dienstag, 27.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

„What is it that water does do“

Premiere im Wasserwerk am Hochablass: Musikalisch-poetischer Spaziergang mit dem Audio-Walk

Von Halrun Reinholz

Ute Legner, Josef Holzhauser, Karla Andrä mit dem Audio-Walk – Foto © Thomas Hosemann

Der Welterbe-Titel ist Augsburgs ganzer Stolz, doch mehr noch als ehrenwerter Dekor ist er auch Verpflichtung. Die Pandemie hat alle geplanten Besucher-Aktionen erst einmal auf Eis gelegt, doch jetzt wird es wieder Zeit für „Wasserspiele“ im wahrsten Sinne des Wortes. Einer dieser „Spielorte“ des Welterbe-Portfolios ist das historische Wasserwerk am Hochablass. Es wurde 1876 gebaut, weil die Versorgung der immer zahlreicher werdenden Augsburger Bevölkerung mit Trinkwasser über die alten Wassertürme und Brunnen nicht mehr gewährleistet war. Die aufstrebende Industriestadt baute am Lechkanal nahe des Siebentischwaldes ein mit Wasserkraft betriebenes Pumpwerk auf dem neuesten Stand der Technik.

Der Zweckbau wurde dennoch auch ein architektonisches Juwel mit Wandmalereien und Terrazzo-Böden, das den Beinamen „Tempel der Technik“ erhielt. Trotz laufender Erneuerung und Modernisierung der technischen Ausstattung  musste das Wasserwerk seinen Betrieb nach weniger als 100 Jahren einstellen. Nur noch museal dokumentiert die Welterbe-Stätte heute die Technik der Wasserversorgung, aber auch die prächtige Hülle, die man seinerzeit dem wichtigen Objekt der Trinkwasserversorgung beigegeben hatte.
Eine neue Dimension der Auseinandersetzung mit dem Wasser erleben die Besucher des Wasserwerks ab dem 3. April. Da feiert der „Audio-Walk“ Premiere, ein poetisch-musikalischer Spaziergang durch das Wasserwerk. Wie bei einem musealen Audioguide drückt der Besucher an bestimmten Stellen auf einen Knopf – es folgt aber keine Erklärung des Objekts, sondern Lyrik mit Musik.

 „Wie oft du auch den Fluss ansiehst“ – so beginnt ein Gedicht von Bertolt Brecht, dem Augsburger, der an den Lechkanälen, dem Stadtgraben und den anderen Welterbe-Stätten aufgewachsen ist und immer wieder das Wasser thematisiert hat. „Nie siehst du dasselbe Wasser / Nie kehrt es zu seinem Ursprung zurück.“

Der literarisch-musikalische Spaziergang durch das Wasserwerk widmet sich den unterschiedlichsten Aspekten des Themas Wasser – als Quelle des Lebens, als Inspiration, als Klangwelt. Hinter dem künstlerischen Projekt steht das Ensemble des Faks-Theaters, Träger des Augsburger Zukunftspreises 2019, namentlich Karla Andrä und Josef Holzhauser. Unter dem Titel „Text will Töne“ haben die Schauspielerin und der Komponist und Gitarrist sich schon öfter in Text und Musik zusammengefunden. Verstärkt wird der musikalische Part von Joachim Holzhauser mit Vibraphon und Schlagzeug. Titus Holzhauser besorgt das Sounddesign.

Der Audio-Walk umfasst neben dem Brecht-Gedicht noch Lyrik von Ivan Groll („Wasserlachen“ – „Wasserweinen“ – „Wassergeister“) , von Gottfried Keller („Am Wasser“) und die sehr reizvoll musikalisch untermalte Goethe-Ballade vom Zauberlehrling („Walle, walle, manche Strecke/ dass zum Zwecke Wasser fließe …“) in voller Länge. Die gesprochene Lyrik wird einmal ergänzt von Gesang: Ute Legner, Leiterin des Projekts „Mehr Musik“ und schon öfter als Sängerin in Erscheinung getreten  (u.a. mit der Band „Swing tanzen verboten“) interpretiert mit warmer Stimme die vertonten Worte von Gertrude Stein: „What is it that water does do“.

Historisches Wasserwerk am Hochablass – Foto:  © Thomas Hosemann/swa

Bewusst wird im Zwischentext der Blick auch auf die Ästhetik des Wasserwerks gerichtet. Das Publikum möge, so die Absicht der Interpreten, das Wasserwerk durch die Poesie neu entdecken.

Neben dem Kulturfonds Bayern, den Stadtwerken und der Arno-Buchegger-Stiftung unterstützt auch die Stadt Augsburg (Kulturamt sowie Welterbe-Büro) das Projekt, weil es geeignet ist, die Welterbe-Stätte attraktiv zu machen und auf neue Art zu beleben. Waren Besucher bislang vor allem aus technischem Interesse zu den „Tagen der offenen Tür“ (jeweils am ersten Sonntag des Monats) ins Wasserwerk gekommen, so bietet nun der Audio-Walk (der über einen QR-Code am eigenen Smartphone aufgerufen werden kann) die Gelegenheit, auch andere Zielgruppen über die künstlerische Auseinandersetzung anzusprechen.

Ein weiterer Anreiz sind die beiden Video-Shorts: Kurze Filme, in denen die Videokünstlerin Stefanie Sixt die Sound-Kulisse des Audio-Walks unter der Regie von Ute Legner als „Wasser.Poesie“ noch einmal mit stimmungsgeladenen Bildern unterlegt. Teil 1 konzentriert sich allein auf die Goethe-Ballade „Der Zauberlehrling“, im zweiten Teil werden die anderen Texte zusammen visualisiert.

Am Schluss steht ein reizvolles Wasserwerk-Erlebnis für alle Sinne. Wobei man sich dafür gar nicht ins Wasserwerk begeben muss – Texte, Videos und Musik können auch im Internet unter www.textwilltoene.de  aufgerufen werden. Die Technik, die Wandmalereien und die Terrazzoböden des Wasserwerks fehlen dann allerdings.