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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Wenn das Theater eine Schreibmaschine wäre…

Wäre das Stadttheater eine Schreibmaschine, wir würden sie mit dem besten Papier füttern und die kleine Klingel, die beim Umschalten ertönt, hätte einen eigenen Musikdirektor.

Von Peter Hummel

Nehmen wir mal an, das Augsburger Stadttheater wäre eine Schreibmaschine. Wundervolle Texte sind bereits aus ihr entsprungen, Gedichte, Lieder, Monologe, unzählige Ideen. Und bis heute wird auf ihr getippt, wird über ihr gegrübelt, sorgt sie mit jeder neuen Zeile für ein Staunen, ein Nachdenken, für ein Aufblühen der Phantasie. Wir lieben diese Schreibmaschine, weil sie das entsprießen lässt, was unzählige Köpfe sich ausdenken, was sie üben und zeigen.

Wäre das Stadttheater eine Schreibmaschine, wir würden sie mit dem besten Papier füttern und die kleine Klingel, die beim Umschalten ertönt, hätte einen eigenen Musikdirektor. – Doch auch eine Schreibmaschine kommt in die Jahre und jene, die auf ihr tippen, haben immer größere Mühe, ihre Gedanken, die so frisch sind wie eh und je, aufs Blatt zu bringen. Mal hängt ein Buchstaben, mal verheddert sich das feine Papier und die Rolle ist schon ganz abgenutzt. – Eine Generalsanierung unserer Schreibmaschine steht also an und wir suchen Experten, die dieses altertümliche Gerät reparieren und modernisieren können. „Das geht schon irgendwie, wird aber teuer“, sagen die, „weil niemand weiß, wie es um die Mechanik im Innern bestellt ist, ob wirklich elektrische Funktionen eingebaut werden können und überhaupt, ob eine Schreibmaschine in Zukunft noch all das bewerkstelligen kann, was sich Menschen in den Kopf setzen.“

Was also tun? Natürlich würden wir die Schreibmaschine nicht auf den Speicher stellen oder gar auf dem Flohmarkt verkaufen. Sie ist doch so schön anzuschauen. – Nein, wäre unser Stadttheater eine Schreibmaschine, wir würden das instandsetzen, was man vorne sieht. Sie wäre für das Publikum. Für alles andere aber, dort, wo geackert wird und sich die Dinge bewegen, also jenseits des Vorhangs, würden wir einen chicen, modernen Laptop einsetzen. Der kostet sogar weniger als das Entstauben der Schreibmaschinenmechanik und bietet unzählige Möglichkeiten auf dem neuesten Stand der Technik. Die Schreibmaschine und der Computer würden sich hervorragend ergänzen. Die eine ist schön, der andere ist praktisch.

In unserem schönen Augsburg jedoch haben sich die Stadtväter dazu entschlossen, die Schreibmaschine, die ja durchaus noch in Teilen funktioniert, komplett zu sanieren. Das ist schade, weil sie das alte Stück zwar mit modernen Elementen aufpeppen, aber nicht wissen, ob das Gerät das jemals verkraftet und ob die alte Schreibmaschine überhaupt in der Lage ist, an unser digitales Zeitalter angebunden zu werden.

Was ich damit sagen will: Ich würde beim Stadttheater die Fassade und den Zuschauerraum bis zur Bühne renovieren (Schreibmaschine) und alles dahinter abreißen und neu machen (Laptop). Wer beim Opernball durch die normalerweise verschlossenen Treppenhäuser und Gänge des Hauses gegangen ist, hat genau gesehen, dass eine Sanierung an dieser Stelle weder sinnvoll ist, noch wirtschaftlich. Und was den Denkmalschutz betrifft: den sehe ich für Fassade und Zuschauerraum gegeben, ja, für alle andere Bereiche nicht. Die alte Hasenbrauerei wurde ja auch nicht erhalten – und die war bauhistorisch und architektonisch sicher wertvoller als das triste, banale, asbestverseuchte Nachkriegsgemäuer hinter dem Vorhang.