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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Wende beim Gas- und Dampfkraftwerk: Die ersten Reaktionen

Die Kehre des Schweizer Unternehmens PQ Energy bezüglich der Pläne in Lechhausen ein Reservekraftwerk zu errichten, hat bereits zu ersten Reaktionen geführt.

Grafik: Broschürencover Energiedemokratie in Augsburg

Grafik: Broschürencover Energiedemokratie in Augsburg


Es sei Schande für den Stadtrat, dass man es mit dem Investor nicht einmal bis zu einer Machbarkeitsstudie gebracht hat, so Markus Arnold, Kreisvorsitzender der Augsburger FDP. „Mit großer Freude“ nahm dagegen das    globalisierungskritische Netzwerk Attac-Augsburg die Ankündigung von PQ Energy zur Kenntnis, die Pläne für den Bau eines Großkraftwerkes in Augsburg Lechhausen zu stoppen.

„Jetzt hat Augsburg die Chance sich aus der Abhängigkeit von Großkonzernen zu lösen“

„PQ hat registriert, dass ein großer Teil der Augsburger Bürger keinen Finanzspekulanten in unserer Stadt wünscht“, so kommentierte Bruno Marcon, Sprecher von Attac-Augsburg, die Entscheidung und fügte hinzu, dass der US-amerikanischen Hedgefond Blackstone bekannt dafür sei,  Finanzkonstruktionen zu entwickeln, die in kürzester Zeit maximale Höchstprofite ermöglichen. Eine nachhaltige Energieversorgung für Augsburg sei mit dieser „Heuschrecke“ nicht zu erwarten, so Marcon, der nun eine Chance sieht, „konkrete Projekte für eine dezentrale Energiewende zu starten“.  Augsburg habe jetzt eine große Chance, einen regionalen Energiemarkt zu entwickeln und sich weitgehend aus der Abhängigkeit von Großkonzernen und Finanzspekulanten zu lösen, so Tobias Walter, Anlageningenieur und Aktivist in Sachen regionales Energie-Konzept.

„Wenn wir jetzt nicht anfangen, gehen 2022 die Lichter aus“

Markus Arnold

Markus Arnold


Verärgert – bezüglich des Erfolges der der Projekt-Gegner – kommentierte Markus Arnold, Kreisvorsitzender der Augsburger FDP, die Situation: „Bisher hat Gundremmingen für die Versorgungssicherheit unserer Unternehmen garantiert, doch bis 2021 muss für 2 x 1344 MW Einspeisekapazität ein Ersatz gefunden werden und das können die regenerativen Energien nicht allein sein. Der Bau von Kraftwerken benötigt Jahre, wenn wir jetzt nicht anfangen, dann gehen im schlimmsten Fall 2022 die Lichter aus“, so Arnold, der „der neuen linken Allianz – SPD, Grüne, Die Linke und neuerdings die Freien Wähler“ – mit ihrer ablehnenden Haltung zu dem Projekt vorwirft,  mehrfachen Schaden angerichtet zu haben. Konkret nennt zählt Arnold den Schaden aus seiner Sicht auf:  „350 Millionen Euro Investitionen am Standort Augsburg hätten die heimische Wirtschaft beflügelt, ein potentieller Gewerbesteuerzahler geht verloren, neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen nicht bzw. an einem anderen Standort, die  Energiewende in Bayern wird gefährdet, Augsburg hat sich als potentieller Industriestandort lächerlich gemacht“, so Arnold, der sich auch noch eine spezielle Spitze Richtung SPD leistete: „Eigentlich müssten die Mitglieder der SPD auf die Barrikaden gehen, denn mit dieser Entscheidung gefährdet sie gerade den Bestand an Arbeitsplätzen und zwar der der eigenen Leute. – Eine Schande für den Stadtrat, dass man es mit dem Investor nicht einmal bis zu einer Machbarkeitsstudie gebracht hat.“

„Die Kuh ist noch nicht vom Eis“

Ganz anders bewertet der OB-Kandidat der Freien Wähler in Augsburg, Volker Schafitel, die überraschende Entwicklung: „Gott sei Dank, dass das Thema vom Tisch ist.“ Schafitel fügte allerdings misstrauisch hinzu, dass man nicht davon ausgehen soll, „dass die Kuh bereits ganz vom Eis ist.“