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Donnerstag, 28.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Was das Rösener-Gutachten bedeutet

Warum das Gutachten des Brandschutzexperten Wolfgang Rösener große Sprengkraft hat

Kommentar von Siegfried Zagler

Die Brisanz des Rösener-Gutachtens hat eine politische Dimension, die sich in ihrer ganzen Tragweite und Wirkungsmacht wohl in den kommenden Tagen entfalten wird. Die Schließung des Theaters wurde von Baureferent Gerd Merkle als „alternativlos“ und das Weiterspielen im Großen Haus von Oberbürgermeister Kurt Gribl als „verantwortungslos“ deklariert. Beide Politiker stehen nun unter Druck. Sollte das Rösener-Gutachten von einem weiteren unabhängigen Gutachter bestätigt werden, wäre der finanzielle Schaden, den die Bauverwaltung der Stadt, den Steuerzahlern und dem Theater ohne Not zumuten wollte, dergestalt groß gewesen, dass man davon ausgehen muss, dass zumindest Baureferent Gerd Merkle in große Schwierigkeiten kommen würde. Die Reputation von Wolfgang Rösener ist unantastbar. Sein Gutachten, das nun die Sanierungskritiker als Argument anführen, um die Schließung des Theaters als politisches Manöver zu entlarven, trägt eine seriöse und plausible Handschrift.

Der politische Schaden, den Kurt Gribl und Gerd Merkle mit einer nicht notwendigen Schließung angerichtet hätten, wäre unermesslich. Sollte sich in der öffentlichen Meinung der Standpunkt der Sanierungskritiker durchsetzen, wären Kurt Gribl und Gerd Merkle in hohem Maß beschädigt. Eine Rücknahme der Schließung käme einem Kamikaze-Flug gleich, weshalb man gespannt sein darf, wie Kurt Gribl, Gerd Merkle und schließlich auch Thomas Weitzel auf die im Raum stehenden Vorwürfe reagieren. Dass es sich bei der vorzeitigen Schließung des Augsburger Stadtheaters, das saniert werden soll, um eine politisch motivierte Aktion handeln könnte, die das Ziel verfolgte, die Sanierungskritker ins Leere laufen zu lassen, wäre eine dramatische Wendung im Streit um eine bessere Theatersanierung.

Mit Krisenmanagement der alten Schule und politischer Trickserei wird in dieser Angelegenheit nichts zu reparieren sein. Wie beim CFS muss sich die Stadt nun nach einem weiteren unabhängigen und angesehen Gutachter umsehen. Alles andere würde die handelnden Akteure ins Zwielicht bringen.

Gutachten Dipl.-Ing. Wolfgang Rösener