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Mittwoch, 27.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Walter Käsmair, Photograph

Eine bemerkenswerte Ausstellung im Brechts

Von Siegfried Zagler

Kurt Idrizovic und Fotograf Walter Käsmair vor Brechts Bistro mit einem Bild, das als Geschenk für Thomas Tuchel bestimmt ist. Der Mainzer Bundesligatrainer feiert am kommenden Montag seinen 38. Geburtstag und ist seit vielen Jahren mit Kurt Idrizovic befreundet.

Kurt Idrizovic (links) und Fotograf Walter Käsmair vor Brechts Bistro mit einem Bild, das als Geschenk für Thomas Tuchel bestimmt ist. Der Mainzer Bundesligatrainer feiert am kommenden Montag seinen 38. Geburtstag und ist seit vielen Jahren mit Kurt Idrizovic befreundet.


Wer sich über Augsburg informieren will, also zum Beispiel wissen will, wo der „Lochbachanstich“ ist und ob die Bilder von Lucas Cranach in St. Anna Plagiate sind oder woher dieser oder jeder Kanal kommt und wohin er fließt, ist bei Walter Käsmair richtig. Der 54jährige Fotograf erkundet seit vielen Jahren die Stadt mit obsessiver Genauigkeit. Seit einem Vierteljahrhundert zeigt uns Käsmair ein Augsburg, dessen atemberaubende Schönheit und geheimnisvolle Spannung im alltäglichen Hin und Her seiner Bewohner zu selten gewürdigt wird. Obwohl sie immer da war und uns ständig umgibt, muss man sich offensichtlich stets ihrer einzigartigen Existenz vergewissern. Augsburg ist bei Käsmair ein Gemälde, das den Betrachter in das Zentrum der Vergänglichkeit führt. Die Bilder Käsermairs leisten nicht nur die Erkenntnisarbeit, dass das bloße Sehen ein Abenteuer sein kann, sondern sie lehren uns auch, dass hinter der Wucht des Augenblicks eine tiefe Ordnung steckt und uns die Bedeutung dieser Ordnung meist verborgen bleibt, weil wir nicht genau oder mit zu wenig Demut auf die Welt sehen. „Es ist komisch, die Welt ist in Farbe, aber Schwarz-Weiß ist realistischer“, sagt ein Filmemacher in Wim Wenders Film „Stand der Dinge“.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien Walter Käsmairs kann man mit in Stein gemalten Erzählungen unserer prähistorischen Vorfahren vergleichen. Sie zeigen uns, wer wir waren und wer wir sind. In der gestern eröffneten Ausstellung ( NEUE BILDER Photografien von Walter Käsmair. Brechts Bistro; Auf dem Rain 6, Augsburg) kann man (bis zum 8. Oktober) kurzzeitig etwas zurück gewinnen, das uns allen in die Kindheit schien, jedoch im Lauf der Zeit seine Kraft verloren hat: Staunen.