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Samstag, 23.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Wahlkampf: Gribl ändert Domain seiner Homepage

Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl will sich im Wahlkampf keine offene Flanke leisten und wird deshalb die Domain seiner persönlichen Homepage ändern.

Homepage: Wird augsburg2014.de durch Gribl2014.de ersetzt?

Homepage: Wird augsburg2014.de durch Gribl2014.de ersetzt?


Wie eine Recherche der DAZ ergab, hat sich Kurt Gribls Lebenspartnerin Sigrid Einfalt bei der zentralen Registrierungsstelle Denic eG die neue Domain Gribl2014.de gesichert. „Es gibt mehrere Optionen“, so Kurt Gribl zur DAZ auf die Frage, ob er plane, seine Domain in Zukunft so zu nennen. Die Namensänderung, die zu Beginn der kommenden Woche bekannt gegeben werden soll, hat zur Folge, dass bereits fertig gestelltes Werbematerial neu gestaltet und gedruckt werden muss. Dies gilt nicht nur für Kurt Gribls Werbematerial, sondern auch für Flyer und Visitenkarten der CSU-Stadtratskandidaten, die bereits mit dem Signet „Augsburg 2014“ erstellt wurden sowie für eine große Anzahl von Wahlplakaten, die in der ersten Januarwoche aufgestellt werden sollen. Bezüglich der Kosten dieser Umänderungsaktion, die Kurt Gribl offenbar ohne Absprache mit den Parteioberen beschlossen hat, konnte die DAZ keine Schätzung in Erfahrung bringen.

Gribls Homepage stand unter Beschuss

Die Website des Augsburger Oberbürgermeisters, die den Namen der Stadt Augsburg führt, stand zuletzt schwer unter Beschuss, weil die Stadt private Domain-Inhaber, die den Namen “Augsburg” führten, rigoros abmahnte. Der letzte Fall liegt allerdings Jahre zurück (2009). Es handelte sich dabei um einen Vorgang, der bundesweit für großen Wirbel sorgte. Kurt Gribl wurde damals von der Augsburger Allgemeinen zitiert, dass dabei alles im rechtlichen Rahmen sei und die Stadt ihre Namensrechte wahren müsse. Damals sah Gribl allerdings in der Abmahnpraxis gewisse Defizite der Stadt im Umgang mit ihren Bürgern.

Gribl: “Jetzt ist die Zeit für politische Debatten”

Was Kurt Gribl für sein Wahlvolk geltend mache, habe aber auch für ihn zu gelten, so die Kernkritik der Freien Wähler an der Verwendung von „augsburg2014.de“. Auch in einem Kommentar in der Samstagsausgabe der Augsburger Allgemeinen heißt es, dass dieser Namen „politisch unsensibel“ sei. Darüber hinaus heißt es in der gleichen Ausgabe süffisant, dass die juristische Abteilung der Stadt “das Ganze” prüfen werde. Auf Anfrage legte Kurt Gribl großen Wert darauf, dass die vorgesehene Änderung seiner Domain damit zu tun habe, dass er keine Energie für eine falsche Diskussion verwenden wolle. Jetzt sei die Zeit für Debatten um politische Inhalte und nicht dafür, ob er den Namen der Stadt als Trittbrettfahrer missbrauche oder nicht. Für den Oberbürgermeister-Kandidaten der Grünen, Reiner Erben, ist der “Vorfall” paradigmatisch dafür, dass Kurt Gribl und die CSU die Linien zwischen Amt, Partei, Stadt und Stadtrat unscharf ziehen. Dies sei bereits beim Neustart der städtischen Homepage deutlich erkennbar gewesen. Man habe den Eindruck, so Erben, dass hinter dieser Verwässerung eine Marketingstrategie stecke.