DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 22.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Wahlkampf: Brandmiller geht auf SPD los

Am vergangenen Dienstag stellten sich erstmalig die Grünen OB-Kandidaten Reiner Erben, Raphael Brandmiller und Nico Kanelakis der Öffentlichkeit vor.

Von Siegfried Zagler

v.l.: Raphael Brandmiller, Nico Kanelakis und Reiner Erben bei Kerzenschein im Striese

v.l.: Raphael Brandmiller, Nico Kanelakis und Reiner Erben bei Kerzenschein im Striese


In der Altstadtkneipe „Striese“ sollten die OB-Kandidaten auf dem „1. OB-Forum“ den Grünen Mitgliedern und der Öffentlichkeit ihre Ziele und Inhalte vorstellen und sich den Fragen des Publikums stellen. Brandmiller nutzte vor 45 Besuchern die Gelegenheit, um seine ehemalige Partei, die SPD und die aktuelle Regierungskoalition unter Beschuss zu nehmen.

„Die SPD hat keine Ideen, Konzepte und Visionen für diese Stadt“, so Brandmiller, der seinen Rundumschlag polemisch mit den öffentlichen Kiesstreukästen „unterfütterte“. Die SPD habe sich dafür eingesetzt, dass sie bleiben. Für mehr reiche es bei den Augsburger Genossen nicht, während es bei den „so genannten bürgerlichen Parteien“ nicht weiter reiche, als darüber zu diskutieren, ob es einen Englet-Gedenkstein geben solle oder nicht. SPD Fraktionschef und OB-Kandidat Stefan Kiefer reagierte auf Brandmillers Kritik gelassen.

Brandmiller orientierungslos

„Für mich sind das nur Worthülsen.“ Bei Brandmiller sei es nie klar gewesen, wohin er mit dem Stadtjugendring wolle, wohin er mit der SPD wollte und nun sei es nicht klar, wohin er mit den Grünen wolle, so Kiefer auf Anfrage. Im Striese gab Brandmiller genau darüber Auskunft: in den Stadtrat. Und zwar als zweitstärkste Kraft in Augsburg, was dann funktioniere, wenn man Politik so darstelle, dass sie alle Menschen verstehen können. Er wolle dafür sorgen, dass die Teilhabe aller Menschen an allen politischen Prozessen keine Illusion bleibe.

Erben glanzlos

Hätte es im Striese einen „Applausmesser“ gegeben, wäre Reiner Erben als Sieger hervor gegangen, ohne glänzen zu müssen. Erben verwies auf einige Erfolge der Grünen Oppositionsarbeit und darauf, dass es, wenn es finanzielle Engpässe gebe, die Grünen immer noch die zuverlässigsten Klimaschützer seien. Deshalb würden die Grünen gewählt werden – und weil sie wüssten, wie moderne Großstadtpolitik gehe.

Kanelakis profillos

Außenseiter Nico Kanelakis verstand es nicht, seine Chance zu nutzen. Kanelakis blieb im beliebigen Allerlei der Anpassung. Es gehe um das Leben in der Stadt, also auch darum, dass sich die Menschen ihre Wohnungen in der Stadt leisten können. Ganz spurlos sind sechs Jahre SPD-Stadtratsangehörigkeit an Kanelakis nicht vorübergegangen: Gleichberechtigte Teilhabe an Kultur und Wohlstand sei selbstverständlich eine Prämisse seines Politikverständnisses. Dazu gehöre neben dem Ausbau des Innovationsparkes auch ein vernünftiger Umgang mit den vorhandenen Finanzmitteln – und der Ausbau des Radwegenetzes.

Die lange OB-Kandidaten-Suche der Augsburger Grünen steuert auf die Zielgerade zu. Das zweite Grüne OB-Forum findet am 10. März statt. Ab 12. März werden den Grünen Mitgliedern die Unterlagen der “Urwahl” zugeschickt. Am 4. April wird vom Parteivorstand das Ergebnis bekannt gegeben.