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Dienstag, 25.08.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Verschwinden hinter der Fülle des Werks

Frank Mardaus in der Galerie im Höhmannhaus

Von Frank Heindl

Vor zweieinhalb Jahren stellte der Künstler Frank Mardaus im Augsburger Stadtarchiv unter dem Titel „WE-0007“ ein sehr persönliches und höchst komplexes Archiv der Erinnerungen aus. Seit einigen Wochen präsentiert er im Höhmannhaus einen Nachfolger der Ausstellung: „Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch“ geht noch einen Schritt weiter in der Abstraktion dessen, was Erinnerung, was Bewusstsein, was den Menschen und den Künstler ausmacht.

Geradezu sakral aufbewahrt: ein Künstlerleben auf Mikrofiches (Foto: Mardaus).

Geradezu sakral aufbewahrt: ein Künstlerleben auf Mikrofiches (Foto: Mardaus).

Wie schon „WE-007“ bezieht sich die neue Ausstellung auf das „Lebenswerk“ des Ehepaars Caroline und Frank Mardaus, sie Schriftstellerin, er Fotograf, beide in intensivem künstlerischen Austausch, beide daran interessiert, diesen Austausch und die dahinter stehenden (Lebens-) Erfahrungen nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Ausstellungsbesucher verständlich zu machen. Und auch wieder nicht. Denn noch in „WE-007“ ging es darum, das wirre Assoziationsgeschehen zwischen Du und Ich, Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Leben mit einer Art „Bewusstseinsmaschine“ (DAZ berichtete) und mit dem Instrument eines riesigen, penibel systematischen und trotzdem nicht überblickbaren Archivs des eigenen Lebens transparent zu machen. Doch mit „Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch“ nimmt Mardaus diesen Schritt – der nie einer in persönliche Nähe, eher einer zu abstraktem Verständnis war – wieder zurück und verschwindet hinter der enormen Fülle seines Werks.

Aus großen Fotos werden winzige Reproduktionen

„Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch“ stellt zwar mehr als 7000 Fotos von Frank Mardaus aus und einen Wust von 10.000 Seiten Text. Doch als wolle er seinen Drang zum Archivieren parodieren, hängen Mardaus‘ Fotos zu Tausenden als winzige Reproduktionen an den Wänden der Galerie im Höhmannhaus, sind seine Texte und die seiner Frau nur als Mikrofiches präsent. „Ich mache Kunst“, könnte das heißen, „aber ich zeige sie nicht mehr her.“ Thomas Elsen, Leiter des Höhmannhauses, hält sehr viel von Frank Mardaus‘ Fotokunst, betont aber: „Die wirkliche fotografische Qualität von Frank Mardaus wird in der Ausstellung nicht gezeigt!“ Eigentlich keine Werkschau sei die Ausstellung, so Elsen ironisch, eher eine „Wegschau“. Noch schlimmer ergeht es den Texten von Caroline Mardaus: Sie wurden anlässlich zweier Künstlergespräche im Höhmannhaus zwar vorgelesen, sind aber dem Besucher, der an normalen Tagen die Ausstellung sieht, nicht zugänglich.