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Mittwoch, 24.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Uni-Diamanten beschleunigen Neutronenforschung

Wenn’s läuft wie geplant, werden die Forscher der drei großen europäischen Neutronenforschungszentren ILL (Grenoble), FRM II (München) und HZB (Berlin) ihre Messungen dank der Forschung an der Uni Augsburg in drei oder vier Jahren doppelt, vielleicht sogar viermal so schnell durchführen können wie bislang.

Zu verdanken ist der Fortschritt den zwei bis drei Millimeter starken Diamant-Mosaikkristallen, die von der Diamant-Arbeitsgruppe am Augsburger Lehrstuhl für Experimentalphysik IV auf Silizumscheiben gezüchtet werden. Ziel des Lehrstuhles von Prof. Dr. Bernd Stritzker ist es, die bislang üblichen Kupfer-, Germanium- oder Grafit-Kristalle in den Messanlagen zu ersetzen. Zum Erreichen dieses Ziels unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Arbeitsgruppe unter Leitung von Durch. Matthias Schreck mit 440.000 Euro, von den kooperierenden Neutronenforschungszentren fließt ein Betrag in ähnlicher Größenordnung in das Vorhaben ein.

Weltweit führende Position der Uni Augsburg

„Dass die drei beteiligten Forschungszentren aus eigenen Mitteln wesentlich zur Finanzierung beitragen, dokumentiert das große Interesse der Neutronen-Community an unserer Entwicklung“, betont Schreck. Der Einsatz der Diamant-Mosaikkristalle soll es erlauben, bestimmte Wellenlängen aus einer aus verschiedenen Wellenlängen zusammengesetzten Strahlung effektiver herauszuisolieren. Schnellere Messungen würden die oft tagelangen Messzeiten der Neutronenwissenschaftler erheblich verkürzen, so dass die große Nachfrage aus den Forschungsreaktoren deutlich schneller befriedigt werden könnte.

Der Diamantgruppe an seinem Lehrstuhl sei es über die letzten Jahre hinweg gelungen, „weltweit die führende Position bei der Abscheidung großflächiger Diamantschichten aus der Gasphase auf andersartige Kristalle einzunehmen“, erklärt Stritzker. „Mittelfristig eröffnen diese Entwicklungen auch eine wirtschaftlich interessante Perspektive“, ist er sich sicher.

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