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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Und in der Mitte klafft ein Loch

Wenn man sich Matavz als Knipser vorstellt, weiß man, warum sich der FCA in der Krise befindet



Kommentar von Siegfried Zagler

„Gut gespielt, dennoch verloren.“ Mit diesem kurzen Satz könnte man das Dilemma des FC Augsburg hinreichend beschreiben. Das war heute auch gegen Hoffenheim so. In fünf von sechs Bundesligapartien war der FCA die leicht bessere Mannschaft und verlor dennoch drei dieser Spiele. (Die Partien gegen Bayern München sollte man in der Bundesliga nicht zählen. Das Unentschieden gegen Frankfurt war eine gefühlte Niederlage.). In der Fußballfachsprache für Krisen nennt man Phänomene wie diese „Ergebniskrisen“.

„Mit einem Quäntchen Glück könnte der FCA locker 11 oder 13 Punkte auf dem Konto haben.“ Wer diesen Satz sagt oder denkt, sagt oder denkt nichts Falsches. Trotzdem wäre es falsch, würde man so denken oder sprechen wie das derzeit Stefan Reuter macht, wenn er in ein Mikrofon spricht.

Es ist nämlich nicht so, dass sich der FCA für eine gute Leistung „nicht belohnt“ hat, wie gegen Frankfurt, Bilbao oder Hoffenheim. Die Krise des FCA ist mit „Ergebniskrise“ nicht hinreichend beschrieben. Es handelt sich auch nicht um einen klassischen Fehlstart einer Mannschaft, die unten nichts verloren hat, wie bei Gladbach. Nein, die Krise des FCA ist hausgemacht, also eine  Systemkrise. Trotz eines formstarken Essweins, trotz Koo und Bobadilla in Normalform fehlen beim FCA die Treffer und somit die Erfolge. 3:7 Tore in den letzten beiden Partien sprechen Bände. Die Tore des FCA waren in Gladbach Elfmetergeschenke und ein Torhütergeschenk von Hoffenheim. Der Angriff trifft nicht, die Abwehr ist mit einem formschwachen Klavan und einem überforderten Stafylidis ein Schwachpunkt geworden.

Die Art, wie den Gladbachern und den Hoffenheimern das Toreschießen durch die Mitte gestattet wurde, gibt Anlass zur Sorge. In der Mitte des Mittelfeldes ist für die Gegenspieler des FCA zu viel Raum. Altintop, Kohr, Baier kommen zu wenig in die Zweikämpfe und wirken gegen den Ball phasenweise überfordert, weil die ballführenden Gegenspieler einfach Tempo aufnehmen können, da sie nicht intensiv genug von der vorderen Reihe bearbeitet werden. „Wo bleibt Moravek?“, möchte man sagen. Beim FCA hakt es also an folgenden Punkten: Stafylidis ist bestenfalls Bundesligaergänzungsspieler, die Stürmer treffen nicht und das Räderwerk gegen den Ball funktioniert nicht reibungslos.

Mit Matavz, Bobadilla, Esswein, aber auch mit Ji, Koo, Altintop und Werner haben die Augsburger gute und den Ansprüchen der Liga angemessene Offensivakteure. Keiner von ihnen ist allerdings ein Knipser, wie man ihn in Mölders vermutete, als er in seinem ersten Bundesligajahr in den ersten beiden Partien großartig spielte und traf. Mölders Stern ist längst verglüht und ob Tim Matavz jemals mehr sein wird als eine Versprechung darf bezweifelt werden. Man stelle sich nur Matavz als Knipser vor: Der FCA stünde in der Liga „standesgemäß“ in der Nähe von Platz fünf und könnte einen Auswärtssieg in der Europa League verbuchen. Stellen wir uns also Tim Matavz als Knipser vor und holen den FCA allein mit der Kraft der Vorstellung aus der Krise. Das funktioniert aber nur bis Donnerstag, 19 Uhr, dann beginnt das Spiel gegen Partizan Belgrad.