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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 22.10.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Umbenennung Egk-Schule: Grüne gehen auf Hermann Köhler los

Die Stadtratsfraktion der Augsburger Grünen unterstützt die Umbenennung der Werner-Egk-Grundschule in Oberhausen und stellt sich hinter die Entscheidungen der Kommission für Erinnerungskultur und der Schulfamilie. Und sie verurteilt das Vorgehen des Bildungsreferenten Hermann Köhler scharf: „Der Bildungsreferent hat vollkommen versagt.“

Wie die DAZ berichtete, gibt es im Stadtrat für die Umbenennung der Werner-Egk-Schule keine Mehrheit. Die CSU-Fraktion und die Fraktion Pro Augsburg sowie einige Stadträte der SPD und OB Kurt Gribl werden wohl dagegen stimmen. Seit mehr als zwei Jahren ist das Thema auf der politischen Agenda und seit April 2018 steht die Empfehlung der Kommission für Erinnerungskultur in Stein gemeißelt: Egk sei ein Opportunist und Nutznießer der nationalsozialistischen Herrschaft gewesen, der nach 1945 nicht zur kritischen Selbstreflexion bereit gewesen sei. „Werner Egk ist in den Augen der Kommission menschlich kein Vorbild und kein geeigneter Namenspatron für eine Schule.“

Im Dezember 2018, also acht Monate nach diesem Statement, ehrte Oberbürgermeister Kurt Gribl die Kommission für ihr ehrenamtliches Engagement und für ihre herausragende Arbeit bei einem Empfang im Rathaus. Die Kommission für Erinnerungskultur wurde von OB Gribl und dem Ältenstenrat explizit dafür beauftragt, den Fall Egk sachlich zu bewerten und eine Empfehlung abzugeben. Vorsitzender der Kommission ist der parteilose Kulturreferent Thomas Weitzel. Aus Sicht der Grünen Fraktion verlässt die Stadt Augsburg ihre von der Parteipolitik losgelösten Tugenden, wenn sie der Empfehlung der Kommission Erinnerungskultur nicht folge.

„Sollten die CSU-Fraktion, der Oberbürgermeister und der Bildungsreferent bei der nun öffentlich kommunizierten Ablehnung der Umbenennung bleiben, brüskieren sie die Kommission Erinnerungskultur.“ Die Kommission hatte zudem angeregt, eine Beteiligung im Stadtteil stattfinden zu lassen. Diese Empfehlung wurde nicht umgesetzt.

Das geißelt nun die Grüne Stadtratsfraktion: „Hier hat der Bildungsreferent aus unserer Sicht vollkommen versagt. Darüber hinaus lässt er nun auch die Schulfamilie, die sich mit der Umbenennung auseinandergesetzt hat und sich zu dem Thema positioniert hat, im Regen stehen. Schockiert sind wir zudem von den Ausführungen des Bildungsreferenten in der Beschlussvorlage. Das Entnazifizierungsverfahren ohne historische Erläuterung und kritische Wertung als Argumente für eine Beibehaltung des Namens darzustellen, ist fachlich katastrophal und spricht gegen eine fundierte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Die Augsburger CSU sollte das katastrophale Agieren ihres Bildungsreferenten nicht noch weiter verschlimmern, indem sie die Umbenennung ablehnt. Stattdessen sollte sie am Mittwoch nächster Woche für die Umbenennung stimmen und sich eindeutig zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit bekennen.“

So das gemeinsame Statement der Grünen Stadträtinnen Martina Wild und Verena von Mutius. Wild ist Fraktionsvorsitzende und von Mutius Mitglied der Kommission.

 

 

 

 



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