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Dienstag, 07.07.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

BRECHTFORSCHUNG

Über die Vergänglichkeit der Liebe und die Erinnerung daran

Bittersweets Aufzeichnungen: Gerhard Gross schenkt der Brecht-Sammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ein bedeutendes Dokument

Gerhard Gross (r.) Prof. Dr. Jürgen Hillesheim (Brecht-Forschungsstelle) und Dr. Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek (l.).

Paula Banholzer, Tochter des Arztes Carl Banholzer, der im Unterallgäu praktizierte, besuchte in Augsburg das Maria-Theresia-Gymnasium. Bert Brechts und ihre Wege kreuzten sich im Frühling 1917. Brecht verliebte sich in Paula, nannte sie “Bi” oder auch “Bittersweet”, weil sie lange seinem Werben widerstand. Bei späteren Interviews äußerte sie sich sehr klug und distanziert über den jungen Brecht. Ende 1918 wurde Banholzer von Brecht schwanger. Sie hatten Heiratspläne, doch Paulas Vater lehnte ab und schickte seine Tochte ins Oberallgäu nach Kimratshofen, wo im Sommer 1919 Brechts und Banholzers Sohn Frank geboren wurde. Frank fiel 1943 als Obergefreiter der Wehrmacht an der Ostfront, während sein Vater sich im Exil auf der Flucht vor den Nazis befand.

Im Juli 1921 gelang es Banholzer, sich von Brecht zu distanzieren , indem sie eine Stelle als Erzieherin in Nürnberg annahm. Als Brecht, gerade mit Marianne Zoff verheiratet, 1924 von Banholzers Heiratsplänen mit ihrem späteren Mann, dem Augsburger Kaufmann Hermann Gross, erfuhr, wollte er sie von Augsburg nach Berlin holen. Paula Banholzer widerstand und heiratete in Augsburg. Aus ihrer Ehe ging ein Sohn hervor: Gerhard Gross, der noch heute in Augsburg lebt und sich rührig für die Brechtforschung einsetzt.

So überreichte er kürzlich der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ein schmales DIN-A5 Heft in schwarzem Umschlag, mit 76 autograf beschriebenen Seiten: Die Reinschrift der Lebenserinnerungen an Bert Brecht von Paula Banholzer. “Ein weiteres Highlight für die Brecht-Sammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg”, so die Stadt Augsburg in einer Pressemitteilung. Banholzers  Manuskript diente als Vorlage für die Bücher „So viel wie eine Liebe. Der unbekannte Brecht“ von 1981 und „So viel wie eine Liebe. Ungeordnetes Verhältnis mit Bert Brecht“ aus dem Jahre 2016.