Tornado: Die Welt aus den Angeln gehoben
Am vergangenen Mittwoch suchte die Gemeinde Affing und die Ortsteile Gebenhofen und Anwalting im Landkreis Aichach-Friedberg ein gewaltiger Tornado heim und sorgte dort für Verwüstungen, die man in ihrem ganzen Ausmaß nur vor Ort zu begreifen in der Lage ist. Heute Vormittag prüft die Bayerische Staatsregierung, wie man den Geschädigten der Naturkatastrophe helfen kann. Der materielle Schaden an den zirka 230 betroffenen Häusern wird auf 40 Millionen Euro geschätzt.
Von Siegfried Zagler

Er kam aus dem Nichts und verschwand im Nichts. Es war genau 22.25 Uhr als der Tornado am Mittwoch mit voller Wucht durch Gebenhofen und Affing zog. An der Gebenhofener Pfarrkirche „Mariä Geburt“ riss er nur wenige Ziegel vom Dach. Als hätte sie den Auftrag, biblische Gewalten aufzuzeichnen, blieb die Kirchturm-Uhr stehen, als die mächtige Windhose einige Häuser im nächsten Umfeld der Kirche dem Erdboden gleichmachte. In weniger als zehn Sekunden war der höllenhafte Spuk vorbei. Der Schaden, den die Naturgewalt anrichtete, ist nicht nur an den Trümmern der ehemaligen Häuser und Stallungen abzulesen. Die Menschen in Affing, Gebenhofen und Anwalting standen am Freitag noch unter Schock, waren kaum in der Lage über ihre Situation zu sprechen. Es herrschte tiefe Niedergeschlagenheit. Niemand hat den Tornado mitten in der Nacht gesehen. Es gibt kein Fotodokument seiner Existenz, aber es gibt eine Spur seiner gewaltigen Zerstörung, die man in ihrem Ausmaß nur begreifen kann, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat.

Am Freitag hielt der Augsburger Bischof eine Andacht und versuchte mit den Geistlichen der Region, den Betroffenen ein wenig Trost zu spenden. Man müsse Gott dankbar sein, dass niemand etwas passiert sei, so Zdarsa. Ebenfalls vor Ort war die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, der der Schock sichtlich in die Glieder fuhr, als sie das Ausmaß der Schäden erkannte. Für Schäden, die nicht die Versicherungen übernehmen würden, müsse die Staatsregierung über Härtefallregelungen entscheiden, so Aigner zu den betroffenen Menschen vor Ort.


(Fotos: Tobias Herholz)