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Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Tod und schwarze Engel bei „Zukunftsmusik“

„Tradition trifft Postmoderne – Musik zum Totensonntag.“ Unter diesem Titel bringt das Festival der 1000 Töne am Sonntag, 25.11. um 20 Uhr im Kongress am Park die Komponisten Franz Schubert und Robert Crumb zusammen.



Die Auseinandersetzung mit dem Tod führt von den Anfängen menschlicher Kultur bis in unsere postmoderne, hoch technisierte Welt. Religiosität und Spiritualität, traditionelle Vorstellungen und zeitgenössische, teils atheistische Visionen vom „Jenseits“ – auch scheinbar disparate Pole des künstlerischen Umganges mit der existentiellen Frage spiegeln auf der ganzen Welt und zu jeder Zeit das menschliche Dasein in ganz besonderer Weise. Wie sich das musikalisch auswirkt, will das Konzert im „“Dialog-Saal“ des Kongresses am Park Augsburg zeigen.

Das Ensemble Zukunftsmusik spielt zunächst das Streichquartett Nr. 14 d-moll „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert (1797-1828). Anschließend folgt vom dem Amerikaner George Crumb (geb. 1929) das 1970 uraufgeführte Stück “Black Angels (Images I). Thirteen images from the dark land” – eine Komposition für elektrisch verstärktes Streichquartett sowie 2 Tamtams, 3 Glasharfen, 2 Maracas, 6 Fingerhüte und 3 Glasstäbe.

Schuberts Streichquartett trägt seinen Titel nach seinem gleichnamigen Lied nach einem Gedicht von Matthias Claudius. Die existentielle Bedrohung, der in diesem Werk zwischen Hoffen und Bangen Ausdruck verliehen wird, verbindet inhaltlich das gesamte Quartett. Ein Jahr vor seinem Tod schien der noch nicht 30jährige Komponist seine Angst vor dem Scheitern seines irdischen Daseins in Musik gießen zu wollen, auslaufend in ein kühnes, gehetzes, völlig ruheloses Schlussrondo, das wenig Raum für Hoffnung lässt.

Der Amerikaner George Crumb widmete „Black Angels“ nachträglich dem Gedenken an den Vietnam-Krieg, unter dessen Eindruck es im März 1970 fertig gestellt wurde. Black Angels, gefallene Engel, himmlische und teuflische Sphären werden in diesem Stück auf vielfältige und dramatische Weise musikalisch dargestellt – Teufelstriller, Teufelsgeigen, kreischende Ponticello-Tremoli, teuflische Intervalle und das „Dies irae“-Thema als Bestandteil der Totenmesse. Auf der anderen Seite erklingt himmlische Sphärenmusik – Glasharfe und Cello verkörpern die Stimme Gottes. Dabei ist Crumbs Musik voller Zahlensymbolik: die gesamte Struktur des Werkes kreist vom formalen Aufbau bis hin zum Tonmaterial um die Zahlen 7 und 13. Als Geister-Beschwörungsformeln tauchen die Zahlen auch immer wieder auf Deutsch, Englisch, Japanisch, Ungarisch und Russisch als geflüsterte und gesprochene Worte auf. Die Fertigstellung der Komposition datiert Crumb in der Partitur mit „Friday 13th“.

Abgesehen vom starken inhaltlichen Bezug zu Schuberts Quartett erklingt auch bei Crumb das berühmte Liedthema in stark verfremdeter Ästhetik: Durch eine besondere Spieltechnik ähnelt der elektrisch verstärkte Klang der Streichinstrumente dem modernen Zerrbild eines mittelalterlichen Gambenensembles und greift damit zurück zu den Ursprüngen des „Tod und das Mädchen“-Motivs, das spätestens seit der Renaissance durch bildende Kunst, Literatur und Musik „geistert“.

Das Ensemble Zukunftsmusik besteht aus Agnes Malich (Violine), Dace Salmina (Violine), Christian Döring (Viola) und Johannes Gutfleisch (Cello).

Dialog-Saal des Kongress am Park Augsburg,

Gögginger Straße 10



Eintritt: € 15.- / € 10.-

Karten an der Abendkasse, Reservierung bei der Theatergemeinde Augsburg unter Telefon 30984.