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Freitag, 03.04.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

KOMMUNALWAHL 2020 Thüringer Polit-Skandal schlägt in Augsburg auf

Thüringer Trauerspiel: Freie Wähler greifen WSA an

Das Thüringer Trauerspiel schlägt im Augsburger Kommunalwahl auf: Freie Wähler schließen Zusammenarbeit mit AfD und WSA aus

Peter Hummel – Bildquelle: privat

Die Freien Wähler Augsburg schließen nicht nur eine Zusammenarbeit mit der AfD im Augsburger Stadtrat aus, sondern auch mit der Gruppe WSA. Der OB-Kandidat der Freien Wähler Peter Hummel zeigte sich bei einer Anfrage der DAZ rigoros: “Die Tatsache, dass WSA schon 2015 eine Ausschussgemeinschaft mit den Rechtsextremisten im Rathaus geschlossen und ihnen Plätze in Ausschüssen verschafft hat, ist schlimm genug. Aber die jüngsten Entgleisungen aus deren Reihen sind untragbar.” So schrieb beispielsweise WSA-Stadtratskandidatin Anita Ponzio (Platz 4) in einem Beitrag auf der Facebook-Seite von Volker Ullrich (CSU) zum AfD-Skandal in Thüringen: “Die FDP stellt einen Ministerpräsidenten, der frei und demokratisch gewählt wurde. Wo liegt hier der historische Fehler?”

“Frau Ponzio verteidigt in ihrem Text das Verhalten der AfD, deren Vorsitzender in Thüringen Björn Höcke ist. Dieser Mann darf laut Gerichtsbeschluss als ,Faschist’ bezeichnet werden und sieht im Berliner Holocaus-Mahnmal ein ,Denkmal der Schande’. Wer sich von so jemandem wählen lässt, und Frau Ponzio findet das offenbar gut, begeht selbstverständlich einen historischen Fehler und hat aus der deutschen Geschichte nichts gelernt”, so Hummel.     

Den jüdischen Publizisten Michel Friedmann bezeichnete Anita Ponzio jüngst als einen “Depp”, der “das Judentum für seine dumme Propaganda vorschiebt”. Peter Hummel sagte, damit konfrontiert, dass sich “von all diesen Ausfälligkeiten weder WSA-Stadtrat Peter Grab noch OB-Kandidatin Anna Tabak distanziert haben”.  Frau Ponzio müsse sofort von der WSA-Liste gestrichen werden. “Eine Liste, die sich für mich schon zu dem Zeitpunkt disqualifiziert hat, als klar war, dass dort mit Guido Fiedler auf Platz 34 einer steht, der in seinem Kampfsport-Studio Nazis ausgebildet und die Reichkriegsflagge aufgehängt hat.” 

“Die Liste der Bürgervereinigung WSA besteht aber nicht nur aus schwierigen und belasteten Persönlichkeiten, sondern insgesamt aus 60 Personen, von denen viele eine ordentliche bürgerliche Vita nachweisen können”, so die DAZ zu Hummel, der sich davon nicht bremsen ließ: “In der Öffentlichkeit gebe sich diese Gruppierung gern als multikultureller, überparteilicher oder gar bürgerlicher Verein, und es mag schon sein, dass sich ein paar Bürgerinnen und Bürger, die es wahrscheinlich gut meinen, dazu überreden ließen, dort mitzumachen”, so Hummel. “Aber politisches Engagement ist keine Spaßveranstaltung, sondern man muss schon genau schauen, mit wem und auf wen man sich einlässt. Ich würde mich schämen, in einer Reihe mit solchen Leuten zu stehen. Die Vorstellung, dass AfD oder WSA die Friedensstadt Augsburg repräsentieren, ist für mich ein Graus.”