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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Theatersanierung: Bürger­beteiligungs­verfahren in der Kritik

“Nur bedingt verwertbar”, so bewertet die “Initiative Kulturelle Stadtentwicklung” (IKSA), die vor zehn Wochen das aktuelle Bürgerbegehren gegen die geplante Theatersanierung gestartet hat, den Abschlussbericht der Bürgerbeteiligung „Theaterlandschaft“, der im letzten Stadtrat vorgestellt wurde.

Sie sind wieder da und melden sich zu Wort: The hatful 6

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Im vorgestellten Bericht fehle die Strukturanalyse der Augsburger Bevölkerung als unverzichtbare Basis für eine kulturpolitische Diskussion zukünftiger Schwerpunkte, so der Kern der Kritik der Initiative, die sich um die “Hateful Six” gebildet hat, die OB Kurt Gribl im vergangenen Stadtrat mit der Zuschreibung “Theaterkritiker” zutreffend einordnete.  “Die Bürgerbeteiligung sollte vor allem auch diejenigen erreichen, die bisher nur selten oder nie das Theater genutzt haben – also die mehr als überwiegende Mehrheit der Bevölkerung! Dieses Vorhaben ist komplett gescheitert”, so die Initiative in ihrer heutigen Stellungnahme. Eine Analyse der aktiven Beteiligung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, der sozialen Milieus und demografischen Entwicklungen in den Stadtteilen unterbleibe völlig. “Damit wäre deutlich geworden, dass an diesem „Beteiligungsprozess“ überwiegend die teilgenommen haben, die die Diskussion als „Aktive“ ohnehin schon seit langem führen. Die zentrale Frage nach dem „Theater der Zukunft“ wird nicht beantwortet. Es fehlen grundlegende Vorschläge für die zukünftige Aufgabenstruktur eines Theaters und seiner Vernetzung mit der übrigen Theaterlandschaft, für ein zukunftsweisendes Programmprofil und zu den Beteiligungsformen einer Entscheidungsfindung über Profil und Aufgabenschwerpunkte. Es werden keine Alternativen für andere, innovative, dezentrale Spielstätten entworfen”, so die Initiative weiter.

Die wichtigen Fragen nach zukünftigen Zielgruppen, nach dem Wirkungsgrad von Theater, nach den politischen Vorgaben und neuen, finanziell tragbaren Betriebsformen werden nach Einschätzung der Initiative nicht beantwortet. Die aufgeführten Szenarien würden sich ausschließlich auf die Diskussion der bereits feststehenden, in den Plänen schon ausgearbeiteten Sanierung, nicht auf eine grundsätzlich offene Neukonzeption beziehen. Es fehlten Aussagen zu Alternativen zum monolithischen Mehrspartenhaus durch Kooperationen und Vernetzung eigenständiger Spartenspielstätten. Es würden keine konkreten kulturellen und sozialen Öffnungsszenarien durch abgesicherte institutionelle Rahmenbedingungen in Rechtsform und Organisationsstruktur genannt und es herrsche ein totaler Mangel bei alternativen Vorschlägen zu den bisherigen hierarchischen Entscheidungsstrukturen des traditionellen „Intendantentheaters“. Und es gebe keine belastbaren Aussagen und Vorschläge zur zukünftigen Berücksichtigung neuer digitaler Mediengewohnheiten und kultureller Konsumtrends wie Streaming, Live-Übertragungen im Netz, Online-Dialogformen etc.

Das Fazit der Bürgerbegehren-Intiatoren fällt dementsprechend nüchtern aus: “Durch die Vorgabe der in den wesentlichen Bestandteilen (Finanzierung, Bauplanung, Standort, Grosses Haus) als alternativlos dargestellten Sanierungspläne wurde die Diskussion über eine grundsätzliche Neukonzeption der Angebots- und Organisationstruktur des Theaters abgeblockt. Eine Bürgerbeteiligung hätte im Rahmen dieser finanziellen Größenordnung darauf abzielen müssen, Aufgaben, Programm, Betrieb und Baumaßnahmen vor dem Hintergrund des sozialen und demografischen Status quo kritisch zu durchleuchten, um einen breiten Konsens für ein bezahlbares, für breite Bevölkerungsschichten interessantes und zugängliches Theater realistisch darzustellen.”

Für eine zukunftsorientierte, finanzierbare und baulich überzeugende Neuplanung unter Einbeziehung der freien Theaterlandschaft seien die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsverfahrens nur sehr bedingt verwertbar, weshalb sich die bereits im Frühjahr getroffene Einschätzung der Bürgerbeteiligung bestätigt habe, dass sich dieses Bürgerbeteiligungsverfahren als “eine teuren Alibiveranstaltung, die der vorliegenden Planung einen partizipativen Touch „breiter Zustimmung“ verleihen soll, als zutreffend erwiesen habe.