Wendejahre
Maximilian I.
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 17.06.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Theaterpredigt : Von Vätern und Söhnen

Amadeus – das Stück von Peter Shaffer hatte kürzlich im Staatstheater Premiere. Bei ihrer Theaterpredigt in der Moritzkirche erörterte die Mozartexpertin Prof. Dr. Silke Leopold Hintergründe der Vater-Sohn-Beziehung von Leopold und Wolfgang Mozart.

Amadeus © Jan-Pieter Fuhr

Die in der letzten Spielzeit von André Bücker eingeführte „Theaterpredigt“ wird von den Zuschauern gut angenommen. Zu jeder Premiere macht sich in einer der beiden Innenstadt-Kirchen an einem Sonntag ein „Prediger“ Gedanken zum Thema. Die Zusammenarbeit mit den Kirchen scheint hier durch und auch das Format der Predigt soll dem ggf. säkulär orientierten Theaterfan Denkanstöße geben, wie sie sonst eine gute Sonntagspredigt vermag. Silke Leopold, Professorin an der Universität Heidelberg, ist eine ausgewiesene Kennerin der Mozarts, noch in diesem (Jubiläums-) Jahr soll von ihr eine umfangreiche Leopold-Mozart-Biographie erscheinen. 

Und so liegt es nahe, dass sie sich auch mit dem Verhältnis von Vater und Sohn Mozart beschäftigt hat. „Väter und Söhne passen einfach nicht zusammen“, stellt sie als abgewandeltes Loriot-Zitat an den Anfang ihrer Ausführungen. Das Verhältnis von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart ist in der Rezeption mit vielen Ungewissheiten und Gerüchten behaftet. Nicht zuletzt durch Stücke wie Peter Shaffers Amadeus und dessen öffentlichkeitswirksame Verfilmung. Darin wird nicht nur die angebliche Rivalität von Mozart und Salieri thematisiert, sondern Leopold auch als traumatisierende Vaterfigur dargestellt. Die Giftmord-Geschichte des Rivalen wurde schon von Puschkin verwertet, bei Peter Shaffer ist sie nur noch das Hirngespinst des dementen Salieri in der Heilanstalt. Und auch die tiefenpsychologische Deutung der überdimensionalen Vaterfigur (bei Shaffer festgemacht an der Gestalt des Komtur in Don Giovanni) wird wohl der Realität nicht gerecht. Zur Illustration lesen Anatol Käbisch (Amadeus) und Thomas Prazak (Salieri) Szenen aus der Inszenierung. Und Theodore Ganger spielt eine frühe Klaviersonate von Mozart, die Salieri wie alle anderen Werke Mozarts als „Werke eines altklugen Bengels, der sich wichtig tat“ beurteilte.  

Einfühlsam und mit  Witz sortiert die Rednerin biographische Realitäten und Gerüchte zum Verhältnis der Mozarts. Zur Freude der Augsburger würdigt sie Leopold als liebevollen und sorgenvollen Vater seiner Kinder, als Lehrer und Tourmanager, der für die Zukunft der Kinder die eigene Karriere in den Hintergrund stellte. Dass dieser Vater sich für den begabten Sohn eine feste Stelle und ein sicheres Einkommen wünschte und die oft impulsiven und realitätsfernen Entscheidungen seines Sohnes nicht gutheißen konnte, liegt sicher an beiden Parteien. Der Generationenkonflikt machte sich auch bei den Mozarts heftig bemerkbar – und wird dennoch von Wolfgang Amadeus, wie die Expertin nachweist, durchaus differenziert thematisiert. Sowohl in der Oper Idomeneo, als auch in der Zauberflöte geht es um Eltern und Kinder.

Die Botschaft, die Mozart in beiden Fällen vermittelt, ist keine Abrechnung mit der älteren Generation, aber das eindeutige Bekenntnis zu den jungen Hoffnungsträgern der Zukunft. Idomeneo muss sich geschlagen geben (bleibt aber am Leben!), denn die bessere, friedvolle Welt kommt durch die junge Generation. Auch in der Zauberflöte ignoriert Pamina die hassgesteuerten Anweisungen ihrer Mutter und setzt auf die Kraft der Liebe, die die Welt besser werden lässt. Ein wichtiger Denkanstoß an diesem Sonntag in der Moritzkirche, den das Publikum dankbar mitnahm. —- Halrun Reinholz



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