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Samstag, 22.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Theatermisere: Der Wahnsinn hat Methode

Von Siegfried Zagler



Die Berichte der vergangenen Jahre bezüglich der Finanzmisere des Augsburger Stadttheaters lesen sich in der DAZ wie “Aufzeichnungen aus einem Tollhaus”. Auch 2010 war seitens des Theaters von chronischer Unterfinanzierung die Rede und der Stadtrat goutierte gegen zwei Stimmen einen Wirtschaftsplan des Theaters mit 2 Millionen Euro Unterdeckung, wie der “historische Bericht” aus dem Stadtrat von Bruno Stubenrauch zeigt. Wirtschaftsreferent Hermann Weber (damals noch CSU) lehnte es ab, dieses Defizit mit den Mitteln des städtischen Haushaltes auszugleichen. Ein Jahr später sollte eine interfraktionelle Arbeitsgruppe den Weg aus der Krise suchen, wie Frank Heindl aus dem Kulturausschuss berichtete. Das war am 6.7.2011. Ein Text, der die Hilflosigkeit der städtischen Gremien beschreibt. Um dem Theater aus der Klemme zu helfen, braucht es offensichtlich mehr als eine Arbeitsgruppe ratloser Kulturpolitiker.

Dieses Jahr legte der kaufmännische Direktor des Stadttheaters, Steffen Rohr mit ungeheuerlicher Chupze einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan vor. Rohr erfand eine zusätzliche 500.000 Euro schwere Geldquelle: Fördermittel vom Freistaat. Mittel, die noch gar nicht beantragt wurden und auch nicht beantragt werden, da man sie ohnehin nicht bekommt, was den Kulturausschuss nicht kratzte. Mit einer Gegenstimme und einigen bedenklichen Reden zum Schein stimmte der Kulturausschuss diesem “Märchenbuch” zu. Dieser unglaubliche Vorgang ist gerade mal drei Wochen alt (1.8.2012) und man darf davon ausgehen, dass der Stadtrat erneut dieser Empfehlung folgt. Die Augsburger Bürgerschaft bezahlt die informelle Übereinkunft zwischen Theaterleitung und Stadtrat. Eine Übereinkunft, die besagt, dass das Theater-Budget von zirka 24 Millionen Euro nicht ausreicht, um ein Drei-Sparten-Theater zu finanzieren. Der Wahnsinn hat Methode! Das ist die Erkenntnis, die die komprimierte Rückschau der DAZ bezüglich der Scheindebatten zur Finanzmisere des Stadttheaters zutage fördert. In der Augsburger Politik wird ein Verhalten gepflegt, das die Probleme des Theaters eher kaschiert als offenlegt.

Stadtrat beschließt Wirtschaftsplan mit Unterdeckung

Gegen zwei Stimmen hat der Stadtrat gestern den Wirtschaftsplan des Stadttheaters für die Spielzeit 2010/2011 beschlossen und damit zwei Millionen Verluste im Vorfeld abgesegnet.

Von Bruno Stubenrauch

Dauerbaustelle Theater

Dauerbaustelle Theater


Das Theater sei schon geraume Zeit unterfinanziert, heißt es in den Erläuterungen zum Wirtschaftsplan. Ausschlaggebend für den erwarteten “Fehlbedarf” sei die stagnierende Förderung durch den Freistaat und eine von der Stadt genehmigte Altersteilzeitregelung, die eine Rückstellung von 400.000 Euro “zwingend erforderlich” mache. Insgesamt umfasst der Wirtschaftsplan eine Summe von rund 23,5 Mio. Euro. Die Erlöse setzen sich aus städtischen Zuschüssen in Höhe von rund 13,5 Mio., einem Landeszuschuss von 6,1 Mio. und Einnahmeerlösen von 4,1 Mio. zusammen. Größter Ausgabeposten sind die Personalkosten mit 17,3 Mio. Euro. Der Etat für die Inszenierungen und den Spielbetrieb fällt im Vergleich dazu mit 1,96 Mio. bescheiden aus. […]
Dieser Artikel erschien erstmalig am 20.5.2010.gesamten Artikel lesen »


Dem Theater geht es an die Substanz

Der Kulturausschuss des Stadtrates wird in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe versuchen, dem Stadttheater aus seiner derzeitigen Finanzmisere zu helfen. Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Werkausschusses für das Theater.

Von Frank Heindl

Der Anlass: Stadtkämmerer Hermann Weber (CSU) lehnt es ab, den Theaterhaushalt aus Mitteln des städtischen Etats auszugleichen. Die Arbeitsgruppe will nun zur Stadtratssitzung am 27. Juli 2011 Wege aufzeigen, das Defizit des Theaters in den Griff zu bekommen.

Zu Anfang der Sitzung hatte Steffen Rohr, kaufmännischer Direktor des Theaters, den diesjährigen Wirtschaftsplan vorgestellt – es ist der sechste in seiner Ägide, und Rohr betont, es sei „auf jeden Fall der schwierigste“. Seine Probleme werden nicht weniger, seit Weber lakonisch mitgeteilt hat, der vom Theater geforderte Zuschuss sei „aus dem städtischen Haushalt nicht zu leisten“ und noch einen draufsetzte mit der Forderung, den Wirtschaftsplan so umzugestalten, „dass die Zuschusssituation der Stadt Augsburg auf deutlich unter 13 Mio. € sinkt. […]
Dieser Artikel erschien erstmalig am 6.7.2011.gesamten Artikel lesen »


Theater in schwerer Not

Mit einem ausgeglichenen Wirtschaftsplan überraschte am 31.7.2012 der kaufmännische Direktor des Augsburger Stadttheaters Steffen Rohr die Stadträte des Werkausschusses.

Von Siegfried Zagler

Zum Fundus des Augsburger Stadttheaters gehört seit vielen Jahren – neben Perücken, Schminke und einer Unzahl von Kostümen – ein einzigartiges Requisit, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Not am größten ist: Zaubertinte. Damit schrieb Steffen Rohr in der vergangenen Woche eine knappe Million Euro Defizit in den Wind. Gestern wollte der Werkausschuss dem Prinzip Luftbuchung nicht so richtig folgen: 500.000 Euro soll der Freistaat zusätzlich zuschießen. Eine solche Summe sei vom Freistaat nicht angedacht und auch nicht in Aussicht gestellt worden, so CSU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Bernd Kränzle, der Mühe hatte, seine Verwunderung über die verzweifelte Unverfrorenheit des Theaters zu verbergen. […]
Dieser Artikel erschien erstmalig am 1.8.2012.gesamten Artikel lesen »