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Donnerstag, 25.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Technologiezentrum: „Es gibt keine Kostenexplosion“

Der irritierende Bericht zum Projektstand des Technologie­zentrums im Innovationspark vergangene Woche im Wirtschafts­ausschuss war Anlass für einen Pressetermin des Wirtschaftsreferats.

Kürzlich preisgekrönter Entwurf für das Technologiezentrum im Innovationspark des Münchner Büros Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten

Der preisgekrönte Entwurf für das Technologiezentrum im Innovationspark des Münchner Büros Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten


Wirtschaftsreferentin Eva Weber, Edgar Mathe, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG, und der Leiter des Innovationsparks Jano von Zitzewitz bemühten sich am Donnerstag, gegenüber den Medien den Eindruck eines nicht finanzierbaren, von dramatischen Kostensteigerungen betroffenen Vorzeigeprojekts zu relativieren, der bei einem Teil der Stadträte im Wirtschaftsausschuss entstanden war (DAZ berichtete). Im Technologiezentrum Augsburg (TZA) soll ab 2015 auf den Fachgebieten Faserverbund, Mechatronik & Automation, IT & Kommunikation und Umwelt geforscht und Protoypen entwickelt werden.

„Es gibt keine Kostenexplosion“, so Eva Weber, die nach einer kompakten Darstellung der Einzigartigkeit des Leuchtturm-Projekts, das es auf dem freien Markt so nicht gebe, zur Erläuterung der Kostenentwicklung an den WBG-Chef abgab. Edgar Mathe erklärte, dass es Mitte 2011 nur ein abstraktes Gebäudemodell gegeben habe. Die zugehörigen Netto-Baukosten der damals rund 10.600 m2 Bruttogrundfläche umfassenden Machbarkeitsstudie ohne konkreten Gebäudeentwurf habe man mit 1.485 Euro pro m2 angesetzt, einem Kostenkennwert für Institutsgebäude.

Über 30 Prozent Flächenzuwachs von der Studie zum Entwurf

Machbarkeitsstudie 2011 (Grafik: WBG)

Machbarkeitsstudie 2011 (Grafik: WBG)


Nach Einarbeitung aller Anregungen von rund 150 Firmen aus dem Carbon Composites e.V. (CCeV), einem Verbund von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Hochleistungs-Faserverbundwerkstoffe, sei ein konkretes Anforderungsprofil entstanden, mit dem man 2012 in einen internationalen Architektenwettbewerb mit über 100 Bewerbern gegangen sei. Das Ergebnis war ein Entwurf mit einer um über 30 Prozent auf 14.000 m2 gewachsenen Bruttogrundfläche mit Baukosten von 1.511 Euro pro m2. Nach weiterer Vertiefung habe man derzeit als Zwischenstand eine „Idealplanung“ auf dem Tisch, die die „Optimalanforderung“ abdecke, mit m2-Kosten von 1.561 Euro. Mit Abweichungen von fünf Prozent beim m2-Preis zur Machbarkeitsstudie liege man „immer noch im selben Korridor“, so Mathe.

Mit 10 Prozent Einsparung zur Kostenmiete

Diese Idealplanung ist nun Basis für die Einarbeitung zahlreicher Einsparvorschläge, die Innovationspark-Chef Jano von Zitzewitz vorgelegt hat. „Diesen Vorgang kennt jeder Häuslebauer“, so Wirtschaftsreferentin Weber dazu. Mit seinen Vorschlägen will von Zitzewitz die Kosten um rund zehn Prozent drücken, ohne jedoch die „Linie der Vision“ eines international anerkannten Kompetenzzentrums zu verlassen. Damit würde man in den Bereich einer kostendeckenden Vermietung kommen. Für 90 Prozent der Flächen lägen bereits ernsthafte Mieterinteressen vor.

Edgar Mathe zeigte sich bezüglich des Sparziels optimistisch. Aufgrund der noch notwendigen Planungsarbeiten könne sich allerdings der im Wirtschaftsausschuss mit August 2013 bezifferte Baubeginn auf das Jahresende verschieben. An der Inbetriebnahme Anfang 2015 soll sich aber nichts ändern.

SPD will harte Fakten zu Kosten und Terminen

Die SPD-Fraktion äußerte sich am Donnerstag kritisch zur Terminplanung: Das Projekt Innovationspark, noch unter der Regenbogenregierung – damals als „Science Park“ – ins Leben gerufen, „plätschere dahin“, als Baubeginn sei dem Stadtrat schon einmal der Herbst 2012 versprochen worden. In einem Antrag an den Oberbürgermeister verlangt die SPD jetzt die Vorlage eines festen Zeitkorridors für das TZA, einen detaillierten Kostenplan, die Darstellung der Finanzierung über Mieten und Zuschüsse und eine Darstellung des Standes der Verhandlungen mit den künftigen Projektpartnern, den Landkreisen Aichach-Friedberg und Augsburg, die sich laut Medienberichten zuletzt skeptisch geäußert hatten.

Synopse der Kosten für das Technologiezentrum Augsburg

(Quelle: WBG 31.01.2013)

Machbarkeitsstudie 2011 Wettbewerbsergebnis 2012 Entwurfsplanung 2013
Bruttogrundfläche: 10.653 m2 Bruttogrundfläche: 14.062 m2 Bruttogrundfläche: 13.950 m2
Kostenkennwert: Kostenkennwert: Kostenkennwert:
1.485 €/m² BGF 1.511 €/m² BGF 1.561 €/m² BGF
Baukosten: Baukosten: Baukosten:
15.847.000 € 21.249.000 € 21.775.000 €
Gesamtkosten: *) Gesamtkosten: Gesamtkosten:
20.995.000 € 27.517.000 € 28.750.000 €
*) einschl. Außenanlagen, Ausstattung, Baunebenkosten (KGr 200-700)