Wendejahre
Maximilian I.
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 17.06.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Tatort Augsburg: Verbrecherjagd als Event

Bereits zum fünften Mal ruft das Theater Augsburg sein Publikum zur Verbrecherjagd auf 

Tatort 5 – „Gehobene Schnitzeljagd“ Foto © Jan-Pieter Fuhr

Das Format des Mitmach-Theaters kommt beim Publikum offenbar gut an. Man sollte dabei nur ausblenden können, dass eine Horde Menschen sich ziel- und ahnungslos auf unbekanntem Terrain zwischen Ermittlern und Tätern bewegt, statt bequem  vor dem Fernseher zu sitzen. Mit dramaturgischen Tricks muss diese Massenbewegung gerechtfertigt werden, das haben die Tatort-Macher (Peter Dempf als „Drehbuchschreiber“ und  Hausregisseur David Ortmann, der sich auch mit Videos gut auskennt) mittlerweile ganz gut heraus. 

Folge 5 des Detektivspiels trägt den Titel „Codename Clown“ und findet im authentischen Ambiente der ehemaligen JVA in der Hochfeldstraße statt. Die Folge knüpft an zwei bereits vorangegangene an, wo die Ermittlungen bislang „im Sand“ verliefen. Bevor es aber losgeht, wird das Publikum von „Dirk“ (Daniel Schmidt – „wir duzen uns hier alle“), einem Event-Manager, aufgefordert, einen Haftungsausschluss zu unterschreiben für das  „Escape“-Spiel, das  die „High-Rate-Eventagentur“ in den Räumen der aufgelassenen JVA nun anbietet. 

Nicht ganz zufällig sind auch Tatort-Ermittler dabei, wie sich später herausstellt. Die Entführung des Ermittlers Kaspar Einfalt (Armin Müller-Stahl) findet vor deren Augen (und denen der „Escape“-Teilnehmer) statt. Mit Hilfe des belustigten Publikums werden Puzzles zusammengesetzt und Zahlencodes für Schlüssel ausfindig gemacht, wie sich das für eine gehobene Schnitzeljagd gehört. Was (oder wer) den Stein ins Rollen gebracht hat, erfährt das Publikum durch die anfängliche Videoeinspielung, wo der aus früheren Folgen bekannte Ermittler Weber (Klaus Müller) von einem Auto überfahren wird. Seine weiteren Videoauftritte zeigen nur wenig von seinem Gesicht, das dick bandagiert ist. Selbstverständlich stapeln sich trotzdem Akten neben seinem Krankenbett und seine Hinweise führen die Ermittler vor Ort, vor allem die eigens aus Köln angereiste Sonderermittlerin Corinna Bruch (auch bereits bekannt, Natalie Hünig) auf die richtige Spur.

Die Zuschauer, die sich darauf einlassen und keine allzu kopflastigen Botschaften erwarten, haben in diesen 90 Minuten wieder vor allem eins: Spaß. Geschickt greifen die Macher auf bewährte Tatort-Klischees zurück, indem sie der Pathologin Dr. Karin Thielemann (Marlene Hoffmann) skurrile Züge verleihen und den Polizeichef (erneut) nicht in allzu gutem Licht da stehen lassen. Aber beim Krimi soll man ja nicht zu viel verraten. Was sicher ist: Die Vorstellungen werden nicht ausreichen, schon vor der Premiere waren sie so gut wie ausverkauft. Zusätzliche Termine sind bereits vorgesehen. Und man ist gespannt, wie es weitergeht mit dem bewährten Ermittler-Gespann Weber und Bruch. Oder kommt zwischendurch was ganz anderes? Man weiß es nicht und das soll auch so sein. Nach dem Tatort ist vor dem Tatort. — Halrun Reinholz



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