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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Tatort Augsburg: „Ein Paket mit Sprengkraft“

Schauspielpremiere Tatort 4 – Schauplatz Universität: Die vierte Folge des Augsburger Tatorts wird „akademisch“ und dreht die Zeit zurück ins Augsburg kurz nach der Gründung der Universität

Von Halrun Reinholz

Andrej Kaminsky, Anatol Käbisch, Linda Elsner, Roman Pertl (v.l.) in Tatort Augsburg Folge 4 © Jan-Pieter Fuhr

Es ist ein bisschen Routine eingekehrt beim „Tatort Augsburg“. Von Folge zu Folge wird die „Choreographie“ geschliffener und der Unterhaltungswert für die Zuschauer höher. Schauplatz der vierten Folge ist die Universität, die 1970 am alten Flugplatz gegründet wurde. Mehrere Bildungsinstitutionen gingen in ihr auf, auch deren Bibliotheken wurden in der neuen Universitätsbibliothek zusammengeführt.

Der Historiker und Schriftsteller Peter Dempf hat dieses Ereignis geschickt verknüpft mit der Terrorbedrohung durch die RAF, die sich vor Ort 1973 durch die Tötung des in Augsburg untergetauchten Terroristen Thomas Weisbecker bemerkbar gemacht hatte. Danach wurde im Polizeipräsidium eine Bombe gezündet. Kriminaldirektor Dachs (Andrej Kaminsky) ist von diesem Ereignis traumatisiert und würdigt es (offenbar nicht zum ersten Mal) mit bewegten Worten am Jahrestag. Die Szene wird in der Parkgarage der Universität als Film eingespielt, jäh unterbrochen vom Anruf einer jungen Frau, die angibt, an der Universität zu sein und die etwas von einer „Bombe“ erzählt. So genau versteht das keiner, doch der Apparat setzt sich in Bewegung, speziell in Gestalt des Kriminalhauptkommissars Eberle (Roman Pertl) und der altklugen Anwärterin Bärbel Rieger-König (Linda Elsner), die übrigens als „running Gag“ unermüdlich auf der vollständigen Nennung ihres sperrigen Doppelnamens besteht. Die angekündigte „Bombe“ entpuppt sich bald als „virtuell“, es geht um Bücher, wie die weiteren Akteure suggerieren: Der schneidig in einer „taubenblauen“ Ape heranbrausende Antiquitätenhändler Carsten Kummer (Anatol Käbisch) und die harmlos-verhuscht wirkende Bibliothekarin Lieselotte Anschütz (Karoline Stegemann).

Das ist der Stoff, aus dem Krimis sind. Dazu das bewährte komische Moment im Charakter der Figuren. Und natürlich der Zeitgeist der 70er, wo man sich auf die Suche nach einem „Münzfernsprecher“ begibt und sich über gemusterte Schlaghosen und Kotletten amüsiert. Außerdem über „Sit-Ins“ und „Kommunen“ informiert wird, die die bürgerliche Ordnung bedrohen. Und immer wieder Apropos zu ortsspezifischen Einzelheiten – vom FCA zur Schedelschen Weltchronik. Regisseur David Ortmann, wie immer auch für die Videos zuständig, achtet darauf, dass die Unterhaltung nicht platt wird und die Geschichte bei aller Einbindung der Zuschauer als „Verdächtige“ und „Zeugen“ einen Hauch von Realismus bewahrt. Ein durchwegs amüsantes Vergnügen rund um den Uni-See, das in der Bibliothek schließlich in einem dramatischen Finale seiner Lösung zugeführt wird.



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