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Samstag, 18.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stoppt Votteler!

Warum sich das Theater in Sachen Bürgerbegehren neutral zu verhalten hat

Kommentar von Siegfried Zagler

In Sachen Bürgerbegehren für eine andere Sanierung des Augsburger Stadttheaters steht es 1:0 für die Sanierungskritiker, ohne dass sie einmal aufs Tor der Stadt geschossen hätten. Die Kommentierungen und Ausgrenzunghandlung der Noch-Theaterchefin bedeuten nämlich ein klassisches Eigentor, das nach Korpsgeist riecht und wirkungsvoll in Szene setzt, was am Augsburger Stadttheater unter der Intendanz von Juliane Votteler durch alle Wände wabert und zum Markenzeichen der Prinzipalin wurde: Grenzüberschreitungen in alle Richtungen, die immer dann auffällig werden, wenn Votteler in eine Ebene hineinplatzt, wo sie weder Kompetenz noch Macht besitzt.

Wenn sich Bürger der Stadt Augsburg eine andere (womöglich bessere) Theatersanierung vorstellen können und sich dafür ins Zeug legen und Unterschriften für einen Bürgerentscheid sammeln, sollte sich die Stadt gemäß der Gemeindeordnung der Neutralität verpflichtet fühlen. Neutralität und Fairness wären also das Gebot der Stunde. Nur so käme ein konstruktiver und wertschöpfender Diskurs bezüglich der unterschiedlichen Auffassungen zustande, die sich möglicherweise zu einer die Stadt voranbringenden Synthese zusammenführen ließen.

Juliane Votteler gehört als Theater-Chefin zu den Angestellten der Stadt. Viele Akteure des Stadttheaters sind Beamte der Stadt. Der höchste Chef des Stadttheaters ist Oberbürgermeister Kurt Gribl. Das Stadttheater ist keine GmbH, wie die Stadtwerke, die sich vor einem Jahr mit viel Gedöns gegen einen Bürgerentscheid zur Wehr setzen durften und sich dabei selbst ein Bein stellten. Das Stadttheater ist ein Eigenbetrieb der Stadt, weshalb das Handeln der Intendantin von der Stadt revidiert werden kann und sollte. Gemeint ist die Kündigung der Zusammenarbeit  des Theaters mit Kurt Idrizovic. Solche Verhaltensweisen sind in einer Stadt wie Augsburg, in der jeder gerne mit jedem streitet und dennoch jeder mit (fast) jedem zusammenarbeiten kann, keine zivilisierten Verhaltensweisen, sondern Ausdrucksformen der Verachtung. Verachtung kann man auf der Bühne darstellen, nicht aber als Instrument in die politische Diskussion einführen.

Die aktuelle Theaterleitung interessiert sich weder für die Finanznot der Stadt noch für die Kunststücke, die Finanzreferentin Eva Weber jedes Jahr unternehmen muss, um den Haushalt auf Ausgleich zu stellen. Sie kennt nur den drohenden Imperativ „Theater muss sein“. Das Stadttheater Augsburg ist keine Insel, auf der andere Regeln gelten, sondern ein Teil des Ganzen, das Jahr für Jahr mit Steuergeldern finanziert werden muss. Der berühmte Satz des KGSt-Kommissars, den die Stadt vor wenigen Jahren einbestellt hatte, um das Sparen zu lernen, machte das schlagartig klar: „Die Stadt soll darüber nachdenken, dass ein Stadttheater nicht zu den Pflichtaufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge gehört.“

Das Augsburger Stadttheater steht für Toleranz und Vielkulturalität, steht für künstlerische Qualität und und den Geist der Aufklärung. Es steht nicht für Machtmissbrauch und Kleingeistigkeit. Würde die Stadt Juliane Votteler in ihrem Furor der Rechthaberei nicht einbremsen, würden wir das zivilisierte Spiel der Politik verlassen und befänden uns wieder im tiefen Wald.