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Dienstag, 23.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stadtwerke bereiten „Kreativwerk“ den Boden

Die Stadtwerke Augsburg bereiten das Gaswerk Augsburg-Oberhausen, ein Industriedenkmal von europäischem Rang, für eine zukunftsfähige Nutzung vor. Als abschließende Maßnahme zur Altlastensanierung steht nun eine umfangreiche Bodensanierung an.

Das Gaswerk als Modell von Südwesten – der grüne Gebäudetrakt wird abge­brochen, im blauen Bereich wird das Erdreich 10 Meter tief ausgetauscht.

Bereits 2003 haben die Stadtwerke eine umfangreiche Untersuchung in Auftrag gegeben. 250 Bohrungen wurden seitdem auf dem Gelände niedergebracht, bis ins Grundwasser, das in fünf Metern Tiefe ansteht. Dabei wurden in Teilbereichen Altlasten in Form von Benzol, Teer und Teeröl gefunden. Diese Stoffe entstanden als Nebenprodukte bei der Gasherstellung aus Steinkohle in der Zeit von 1915 bis 1968. Sie wurden in den sogenannten „westlichen Werkstätten“ auf dem Gaswerks-Gelände (im Bild grün dargestellt) aufbereitet, abgefüllt und verladen. Im Lauf der Jahre wurden in diesem Bereich sowohl die Gebäude als auch der umgebende und darunter liegende Boden belastet.

Bodenaustausch mit Grundwasserschutz

Über 2,3 Millionen Euro haben die Stadtwerke Augsburg in den vergangenen Jahren bereits für die Altlastensanierung im Gaswerk ausgegeben. „Jetzt steht die umfangreichste und letzte große Einzelmaßnahme an“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Claus Gebhardt am gestrigen Mittwoch auf einem Presserundgang im Gaswerk. Für weitere rund drei Millionen Euro wollen die Stadtwerke das Gaswerk komplett altlastenfrei machen. In Abstimmung mit den Umwelt- und Denkmalschutzbehörden sollen die belasteten Gebäudeteile abgebrochen sowie der umliegende Boden (im Bild blau dargestellt) auf einer Fläche von 2.400 m² bis zu einer Tiefe von zehn Metern ausgetauscht werden.

Begleitet wird die Maßnahme durch aufwändige Schutzmaßnahmen für das Grundwasser: So werden im nach Norden Richtung BayWa-Gelände verlaufenden Grundwasserstrom acht Brunnen installiert, die mit Beginn der Erdarbeiten das Grundwasser vorsorglich abpumpen. Das Wasser durchläuft eine mehrstufige Filteranlage auf dem Gelände und wird anschließend wieder versickert. Nicht ganz ausschließen können die Stadtwerke eine Geruchsbelästigung durch Teer. Um die Geruchsbildung auf ein Minimum zu beschränken, wurden die Bodenaustauscharbeiten deshalb in die kalte Jahreszeit verlegt.

Gebäude-Ensemble wird wieder ergänzt

Nach Abschluss des Bodenaustauschs soll der abgebrochene Gebäudeflügel in Abstimmung mit dem Denkmalschutz wieder errichtet werden, in neuzeitlicher Bauweise und unter Berücksichtigung der künftigen kreativ­wirtschaftlichen Nutzung. Ab 2017 soll das Gaswerk von den derzeitigen Mietern des Kulturparks West bezogen werden. „Die Altlastensanierung wird den Umzugstermin nicht gefährden“, versichert Gebhardt. Auswirkungen könnte die Altlastensanierung allerdings auf das Grenzenlos-Festival haben, das bisher immer im Juni stattgefunden hat. Das Gaswerksgelände steht erst ab September 2015 wieder im vollen Umfang zur Verfügung.

» Gaswerk: Von der Industriebrache zum Kreativwerk

Der Zeitplan der Altlastensanierung



ab Ende August 2014:  Umlegung von Versorgungsleitungen

Oktober bis Mitte November 2014:  Abbruch der Gebäude

Ende November 2014:  Einbringen einer Spundwand in den Boden

Dezember 2014 bis Juni 2015:  Aushub und Entsorgung des Erdreichs

bis Ende August 2015:  Verfüllung der Baugrube, Rückbau der Spundwand

frühestens ab September 2015:  Wiedererrichtung der Gebäude