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Sonntag, 21.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Solidarität mit Israel: Ein Augsburger Desaster

In Augsburg hat die Stadtspitze zu verantworten, dass die Israelflagge bald nicht mehr gehisst ist. Das Ersetzen der symbolkräftigen Flagge durch die selbst gestrickte Fantasieflagge “Friedensstadt Augsburg” ist ein unüberlegter und bisher unerklärter Akt, der für die Stadt Augsburg beschämend ist – und Oberbürgermeisterin Eva Weber schwer unter Druck bringt.

Kommentar von Siegfried Zagler

Israelflagge: Von der Stadtspitze abgehängt © DAZ

Eine gewisse Zeit die Israelflagge vor dem Augsburger Rathaus zu hissen, um sie dann nahezu unbegründet durch eine “Friedensflagge” zu ersetzen, ist ein Vorgang mit hoher Symbolkraft und somit ein Zeichen, das man kaum missverstehen kann. Die Stadt bringt mit dieser Aktion zum Ausdruck, dass die Solidarität mit Israel dann aufhört, wenn sie schwierig wird. Schwierig auch deshalb, weil nicht nur in Großstädten pro-palästinensische Kundgebungen stattfinden, sich nicht nur in Neukölln antisemitische Mobs bilden, sondern beinahe überall – auch in der Maximilianstraße in Augsburg.

Solidarität mit Israel ist aber nicht nur deshalb schwierig, weil sie für Unfrieden in der Augsburger Stadtgesellschaft sorgen könnte, sondern in der Hauptsache schwierig, weil man nicht weiß, wie weit Israel mit der Auslöschung der Hamas geht. Wie viele unschuldige Menschen noch sterben werden, liegt auch in der Verantwortung des Staates Israel, dem unsere Solidarität und unser Beistand auch dann zu gelten hat, wenn es richtig schwer wird. Sollte es tatsächlich die Furcht vor einem Massaker sein, die Angst vor einem Mỹ Lai in Gaza sein, die Frau Weber dazu veranlasst hat, die israelische Flagge vorauseilend abzunehmen, sollte sie es sagen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht bezüglich des Augsburger Flaggendesasters von einer “Kapitulation” vor “antisemitischen Randalierern”. Jede einzelne Israelflagge auf öffentlichen Plätzen sei ein Ausdruck des Gedenkens an die Opfer des 7. Oktobers, so Josef Schuster zur Münchner Abendzeitung, die Schuster weiter zitiert: “Inwiefern allgemeine Friedensflaggen dasselbe ausdrücken sollen wie eine Israelflagge, erschließt sich mir nicht.”

Neben Schuster wird von der Abendzeitung auch Generalkonsulin Tayla Lador-Fresher zitiert. Für die Diplomatin sei das “Einknicken” der Stadt ein Zeichen der Schwäche. “Die israelische Flagge ist nicht nur ein Zeichen der Solidarität, sondern sie steht für die westlichen Werte”, so Lador-Fresher.

Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Volker Beck sieht das ähnlich, wie er auf der Plattform X zu Protokoll gab: “Wer vor dem Israelhass in die Knie geht und statt der israelischen Fahne eine neutrale “Friedensfahne” hisst, hat vor dem Antisemitismus kapituliert. Das hat mit Frieden nichts zu tun.”

Nachdem es Augsburgs Oberbürgermeisterin bisher nicht geschafft hat, sich zu dieser antisolidarischen Aktion der Nichtbeflaggung zu äußern, wäre Haltung vom höchsten Souverän der Stadt zu wünschen. Würde der Augsburger Stadtrat OB Weber stellen und per Beschluss die Israelflagge als Symbol der Solidarität gehisst lassen, würde diese schwere Verirrung zu heilen beginnen.