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Dienstag, 30.06.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Skeptiker auf Kuschelkurs

Eckart von Hirschhausens neues Programm „Wunderheiler“, mit dem er am Donnerstag in der Schwabenhalle gastierte, ist keineswegs ein Plädoyer für Wunderpillen. Es soll nicht dazu ermutigen, zum homöopathischen Globuli oder zur Akupunkturnadel zu greifen. Den Glauben an Wunder und Mysterien, die um uns herum stets und überall passieren, will Hirschhausen sich aber dennoch nicht nehmen lassen.

Von Dr. Andreas Garitz

(Foto: Frank Eidel)

"Wunderheiler" Eckart von Hirschhausen (Foto: Frank Eidel)


Hirschhausens Standpunkt ist zweifelsfrei der eines Skeptikers. Als ausgebildeter Mediziner macht er sich lustig über Bachblüten, Schüßlersalze und angeblich alternative Operationstechniken. Als ehemaliger Zauberkünstler führt er anschaulich vor, wie leicht eigenes Wunschdenken und Manipulation zu den verrücktesten Täuschungen führen kann. Er geißelt die Gefahren, die von Impfgegnern ausgehen und macht Witze über Rettungssanitäter mit ganzheitlichen Heilmethoden.

Insofern wähnte man sich in der gut gefüllten Schwabenhalle inmitten einer Gemeinschaft, in der hinsichtlich der Medizin Gefühl und Glaube erst einmal ausgedient haben. Auch wenn die Botschaft nicht so traurig und spaßentleert daherkam wie im Telekolleg der Dritten. Hirschhausen arbeitet mit sehr viel Humor und einem angenehmen Augenzwinkern, das so nett rüberkommt, dass man nie das Gefühl hat, Häme und Spott seien Sinn und Zweck des Ganzen.

Dem Wunder eine Chance geben

Allerdings gibt es auch ein gewisses „Aber“, einen Restglauben daran, dass „Wunder“ trotzdem möglich sind. Ob es nun Wunderheiler oder Wunderheilmittel wirklich gibt, so Hirschhausen, das wisse man nicht. Aber andere große Dinge erlebe man immer wieder: Das Wunder des Placebo-Effektes, mit dem unser Körper sich immer wieder selbst heilen kann. Oder das Wunder, dass man Kinder mit kleinen Liedern und Pusten aufs „Aua“ ihre Schmerzen vergessen lassen kann. So etwas findet von Hirschhausen so schön, dass er immer mal wieder dazu auffordert, gemeinsam Lieder zu singen oder sich befreienden Tanzrhythmen hinzugeben.

Was am Ende herauskommt, erscheint ein bisschen wie ein Kompromiss: Im entscheidenden Moment niemals die faktische Vernunft aus den Augen zu verlieren, steht auf der einen Seite. Trotzdem an die grundsätzlich wunderbare Essenz des Lebens zu glauben und dem manchmal vielleicht doch nicht erklärbaren Mysterium immer eine zweite Chance zu geben, auf der anderen. Mal verhält sich die eine Seite laut und die andere leise und dann wieder umgekehrt. Hirschhausen hat zwar eine klare Verortung, aber so klar, wie sie ist, drückt sie sich nie aus. So fällt ein entscheidender Satz, nämlich der, dass er ein Anhänger der evidenzbasierten Medizin ist, ganz leise, in einem Nebensatz, kaum hörbar.

Gut dosierte Wissenschaftshappen

Angesichts solcher Vorsicht wird verständlich, warum ein doch recht hoher Prozentsatz des Publikums in einem seiner Fragespielchen zugibt, selbst Patient der ein oder anderen im Programm belächelten, pseudomedizinischen Disziplin zu sein. Hirschhausen hat diesen Teil seines Publikums nie verschreckt und er hat es auch jetzt nicht vor. Er hält die Waage, es gib keinen erzieherischen Zeigefinger, keine Standpauke, niemand wird beleidigt. Wäre das so, wären sicher nicht über 2000 Fans angereist. Es ist ein Art von Balance-Akt, eine Show, in der von Hirschhausen erfrischende Unterhaltungselemente, guten Humor und kindlich-musische Emotionen mit genau der richtigen Dosis an fein eingestreuten Wissenschaftsfakten zu mischen weiß.