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Samstag, 26.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Sinfoniekonzert: Landschaften der russischen Seele

5. Sinfoniekonzert: Ein Ritt durch die Landschaften der russischen Seele. Und das Publikum feiert Ivan Demidov, den neuen Kapellmeister des Augsburger Staatstheaters

Ivan Demidov © rabovsky.ru

Seit dieser Spielzeit ist der gebürtige Russe Ivan Demidov 1. Kapellmeister der Augsburger  Philharmoniker. Programmatisch also sein erstes „Heimspiel“ mit einem rein russischen Musikprogramm im  5. Sinfoniekonzert. Gefällige Klassiker waren es aber nicht, die den Konzertbesuchern in der Kongresshalle geboten wurden, auch wenn zweimal Tschaikowsky dabei war. Die sinfonische Fantasie nach Shakespeares „Sturm“, die zum Einstieg erklang, ist in Konzertsälen eher selten zu hören. Dramatisch und zauberhaft zugleich, folgt die Orchesterfantasie der Handlung der Shakespeare-Vorlage. Stürmische und ruhige Partien wechseln sich ab. Dass die Uraufführung 1873 ein Erfolg war, lässt sich auch im Augsburger Konzertsaal nachvollziehen.

Das Solokonzert des Abends war ebenfalls eine Überraschung für das routinierte Publikum. Dmitri Kabalewski (1904-1987) ist als Komponist international nicht besonders bekannt. Der Musiker hat seine gesamte aktive Zeit in der Sowjetunion verbracht und es offenbar geschickt verstanden, die Vorgaben des Regimes mit seinen persönlichen musikalischen  Vorlieben im Einklang zu halten. Ein wichtiges Anliegen war ihm die Kinder- und Jugendarbeit in der Musik, er gab Unterricht und förderte den musikalischen Nachwuchs. Auch sein Violinkonzert C-Dur, das in der Kongresshalle zu hören war, wurde speziell als Übungsstück für junge Musiker konzipiert, um deren technische Fertigkeiten zu trainieren. Wie souverän ein sehr junger Musiker damit umging, zeigte sich an dem Solisten des Konzertabends Haymon Haffner, der, noch keine 15 Jahre alt, am Augsburger LMZ bereits Jungstudent ist. 

Schnörkellos und gekonnt brillierte er in dem klanglich gefälligen Stück im Dialog mit dem Orchester und belohnte das entzückte Publikum auch mit einer Zugabe.

Tschaikowskis Sinfonie Nr. 1, die im zweiten Teil des Konzerts erklang, gehört ebenfalls nicht zum gängigen Kanon der Konzertprogramme. Sie hat den Untertitel „Winterträume“ und ist demnach eine zur Jahreszeit passende Programm-Musik. „Träumerei über eine winterliche Fahrt“ und „Düsteres Land, nebliges Land“ sind die beiden ersten Sätze überschrieben, die die Stimmung vorgeben. Aber auch Folklore-Themen verarbeitet der Komponist. Ivan Demidov hat mit diesem aparten Konzert gezeigt, dass die russische Musikliteratur mehr zu bieten hat als gemeinhin bekannt und  einen würdigen Einstieg als 1. Kapellmeister  geboten. Das Publikum im Kongress am Park wusste das zu schätzen und feierte ihn mit anhaltendem Applaus. (Halrun Reinholz)