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Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Sinfoniekonzert: „Blickwinkel“ im Zeichen des Todes

Ein ungewöhnlicher und reizvoller Konzertabend im Zeichen des Todes mit einem Aufruf für die planmäßige Sanierung des Großen Hauses.

Von Halrun Reinholz

Die Fragen um Leben und Tod haben Künstler schon immer fasziniert. Obwohl die Passionszeit längst vorbei ist, stand das April-Konzert der Augsburger Philharmoniker unter dem Eindruck des Todes. Sogar optisch, denn zu jedem der gespielten Stücke wurde ein Bild des Augsburger Künstlers Georg Bernhard auf zwei Leinwände über dem Orchester projiziert.: „Tod und Frau“, „Tod und Engel“,  „Totentanz“ – offenbar auch einer, der sich mit dem Thema auskennt. Ob dieser Bogen zur Bildenden Kunst der Musik mehr Nachdruck verliehen hat? Zumindest war es einen Versuch wert, Künste auf diese Weise zu verbinden. Die Atmosphäre im Konzertsaal und die Qualität der Projektion waren dem optischen Kunstgenuss eher wenig förderlich. Doch die Zuschauer waren ja vor allem wegen der Musik gekommen und die war interessant zusammengestellt. Im ersten Teil drei Zeitgenossen: Richard Strauß (Salomes Tanz), Claude Debussy (die symphonische Suite Printemps) und Gustav Mahler (Totenfeier). Domonkos Héja dirigierte das zeitweise mit zusätzlichen Bläsern und Schlagwerkern aufgestockte Orchester leichtfüßig und ohne Todesfurcht. Diese schürte er allerdings in Bezug auf das Theater, als er nach dem ersten Stück zum Mikro griff und die Zuschauer eindringlich bat, sich im Sinne der Mitarbeiter für die planmäßige Sanierung des Großen Hauses einzusetzen. Tosender Applaus folgte postwendend. Die im Foyer der Kongresshalle ausliegenden Listen waren in der Pause umlagert von Unterstützern, die dies mit ihrer Unterschrift kundtun wollten. Der zweite Teil des Abends brachte modernere Töne – Krzysztof Pendereckis Adagietto aus der Oper „Paradise lost“ und Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“, zu der man sich als Projektion passenderweise  die Bilder aus dem wunderbaren Isenheimer Altar des Mathias Grünewald gewünscht hätte, die Paul Hindemith in Musik gegossen hat. Ein sehr ungewöhnlicher Konzertabend, was die Werkauswahl anbelangt, aber gerade deshalb reizvoll. Er bot Gelegenheit, den Klangkörper der Philharmoniker zu genießen: die Einzelleistungen (vor allem der Bläser) im Zusammenspiel mit einem homogen und koordiniert agierenden Ensemble.