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Mittwoch, 19.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Sinfoniekonzert: „Aufgepudert“, aber nicht verzopft

In einen Rokokosaal hätte das Programm besser gepasst, das sich die Augsburger Philharmoniker für ihr 5. Sinfoniekonzert ausgesucht haben. „Aufgepudert“ klingt aber auch ein bisschen nach Fasching und wenn der auch in diesem Jahr schon vorbei ist, so konnte man sich bei dem sehr reduzierten Orchester die gepuderten Perücken und galanten Roben der Barockzeit förmlich dazu denken.

Von Halrun Reinholz

Gastdirigent Konrad Junghänel hatte zwar auch keine Perücke auf, aber seine weiße Haarmähne passte dennoch irgendwie ins Bild. Die Überschrift des Programms weist eben auf eine Zeit, wo Musik in Salons gemacht wurde. Keine Einzelvirtousen beherrschten den Klang, sondern das Zusammenspiel gleichwertiger Instrumente stand im Fokus. Nicht zufällig waren die Eckpunkte des Programms, also Anfang und Ende, dem Publikum vertraut. Johann Sebastian Bach, der Großmeister des Barock, war mit seiner Orchestersuite Nr. 3 D-Dur, BWV 1068 vertreten. Bekannt daraus ist vor allem das Air, hier in einer authentisch unverkitschten Version an seinen Ursprung geführt. Dermaßen ins Thema gebracht, folgte man dem Italiener Pietro Locatelli und seinem Concerto grosso Nr. 8 um schließlich noch vor der Pause die Weiterentwicklung der Musik  beim Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel in seiner schon recht klassische anmutenden Sinfonie Nr. 1 zu verfolgen. Nach der Pause wurde es mit Georg Philipp Telemann wieder barocker,  lustvoll karikierte er in seiner Orchestersuite Nationaltypisches der Türken, der Schweizer, der „Moskowiten“, der Portugiesen um schließlich die „Lahmen“ und die „Läufer“ klanglich zu skizzieren.

Dass Wolfgang  Amadeus Mozart den Endpunkt eines Barockprogramms bildet, mag zunächst befremden. Vor allem Adagio und Fuge sind für sein Werk nicht eben kennzeichnend. Eher vertraut klingt die den Konzertabend abschließende Sinfonie Nr. 25 g moll KV 546. Gastdirigent Junghänel erläuterte im Interview, dass er das Programm mit Bedacht so zusammengestellt hat, um die rasante Musikentwicklung in der Umbruchszeit zwischen Barock und Klassik zu illustrieren. Zwischen Bachs Orchestersuite und Mozarts Sinfonie liegen nur 50 Jahre, in der sich die musikalische Formensprache deutlich gewandelt hat, ohne dass es zu krassen Brüchen gekommen sei. Die Kompositionen des Konzertabends zeigen im Gegenteil die Anleihen, Wechselwirkungen und Referenzen, die die jungen Komponisten bei den „Alten“ nahmen.  Mozarts Fuge entstand durch die Beschäftigung mit der Musik von Bach, die offenbar auch seiner Frau Konstanze gut gefiel. Weil er vor ihr zugeben musste, bisher selbst keine Fuge geschrieben  zu haben, „zanckte sie mich recht sehr daß ich eben das schönste und künstlerischste in der Musick nicht schreiben wollte“. So schließt sich die Klammer um ein nachvollziehbar ausgewähltes, vergnügliches und meisterhaft präsentiertes musikalisches Programm, das das Augsburger Publikum in der fast ausverkauften Kongresshalle mit enthusiastischem Applaus quittierte. Ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Konzertabend mit der Aura von Sternenpuder.