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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Seesanierung leicht gemacht

Der Augsburger Architekt Volker Schafitel präsentierte am gestrigen Dienstag einen Sanierungsvorschlag für den maroden Uferverbau am Stempflesee, der sich stark an die ursprüngliche Planung aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts anlehnt. Die Umsetzung würde nur drei Wochen dauern.

Flach und bekiest: so wirbt die Stadt...

Flach und bekiest: so wirbt die Stadt...


Schafitel erfüllte damit eine beim “Spatenstich” am 27. Mai gemachte Vorgabe von Umweltreferent Rainer Schaal, die anwesende Bürgerschaft könne binnen zehn Tagen Alternativen zur städtischen und vom Stadtrat abgesegneten Planung zur Ufersanierung vorlegen. Diese beim Spatenstich vorgestellte und von Bürgern heftig kritisierte Planung (DAZ berichtete) sieht unter anderem eine Abflachung und massive Befestigung der Ufer mit Flusssteinen vor. Einer der Hauptkritikpunkte an der Amtsplanung war der Einsatz schwerer Baumaschinen, der die Fällung bzw. das Zurückschneiden von rund 50 Bäumen am Seeufer notwendig machen würde. Schafitels Vorschlag könnte dagegen mit einem Kleinbagger, der nur 1,40 Meter breit und 2,30 Meter hoch ist, umgesetzt werden – ohne Eingriffe in den Baumbestand. So sieht der Vorschlag des Augsburger Architekten, der von einem Sachverständigen und einem Statiker unterstützt wurde, im Detail aus:

Park- statt Biotop-Charakter

Schnitt durch den vorgeschlagenen Uferverbau - Grafik: Volker Schafitel

Schnitt durch den vorgeschlagenen Uferverbau - Grafik: Volker Schafitel


Im Abstand von 80 cm werden ca. zwei Meter lange geschälte Eichenpfähle mit 16 cm Durchmesser ca. 90 cm in den Seegrund gerammt. Diese Pfähle werden mit 10 cm starken geschälten Fichtenholzstangen zum Uferweg hinterlegt. Als Kopfbalken wird ein geschälter Lärchenholzstamm mit Durchmesser 25 cm verlegt, der als sichtbarer Holzrand die Wasserfläche vom Uferweg trennt. Zur Abdichtung des kiesigen Uferrands wird der Stangenverbau mit Teichfolie hinterlegt. Der See, der während der Baumaßnahmen teilweise abgelassen wird, aber so, dass die Fische in Seemitte im Wasser verbleiben könnten, soll anschließend bis Oberkante Verbau, also bis auf die Höhe des Uferwegs gefüllt werden. Zum einen erhöht dies die Erlebbarkeit des Sees (und entspricht dem ursprünglichen Erscheinungsbild mehr als der heutige, im Lauf der Jahrzehnte durch Auffüllung des Wegs entstandene Niveauunterschied zum Wasserspiegel von über 30 cm). Zum anderen verlängert sich durch die dauernde Flutung die Haltbarkeit des Verbaues. Zur Unterstreichung des Charakters der Entstehungszeit des Stempflesees empfiehlt Schafitel außerdem die Möblierung des Ufers mit ansprechenderen Parkbänken.

Kosten innerhalb des städtischen Budgets

...für die notwendige Ufersanierung

...für die notwendige Ufersanierung


Auch zur Bauzeit und zu den Kosten hat sich Volker Schafitel Gedanken gemacht, unter­stützt durch eine Inninger Baufirma, die eine verbindliche Angebotskalkulation erstellt hat: Bei rund 50 Metern Tagesleistung könnte die gesamte Ufersanierung in drei Wochen abge­schlossen sein, zu Kosten von rund 90.000 Euro und einschließlich Absicherung der Bau­stelle und Demontage der alten Einfassung. Eine Entschlammung des Stempflesees – in diesem Preis nicht enthalten – kann sich der Architekt mittels eines so genannten Berky-Saugboots vorstellen. Für die Ufersanierung steht der Stadt eine Spende der Stadtsparkasse Augsburg in Höhe von 120.000 Euro zur Verfügung. Schafitel betonte gestern, sein Vorschlag sei im Rahmen ehrenamtlichen Bürgerengagements ohne Berechnung von Kosten erfolgt, was auch seine Beauftragung als Planer ausschließe.