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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 13.09.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

MEINUNG

Schluss mit Kleinkleckersdorf

Wenn man nachfragt, wer veranlasst hat, dass Augsburgs Ortsschilder mit „Universitätsstadt“ ergänzt wurden, wird schnell fündig: Der damalige OB Paul Wengert habe sich dabei von einer Professorengruppe leiten lassen, heißt es. Diese Art der Selbstzuschreibung ist das sicherste Indiz dafür, dass eine Stadt noch nicht genügend Selbstwert entwickelt hat.

Kommentar von Siegfried Zagler

Foto © Immanuel Zabawskyj

Foto © Immanuel Zabawskyj

„Universitätsstadt“ hat nichts Signifikantes, nichts Besonderes, sondern ist ein Allerweltsprädikat und bedeutet somit nichts anderes als „Kleinkleckersdorf“. Ist Augsburg eine Stadt, deren Bürger es bemerkswert finden, dass man zu den zahlreichen Städten in Deutschland gehört, die eine Uni anzubieten haben? Ebenso könnte man darauf verweisen, dass es in Augsburg Mac Donalds, Krankenhäuser, ein Theater, einen Zoo und die Schwerkraft gibt.

Die Ernennung zur Welterbe-Stadt sollte dazu beitragen, dass man in Augsburg eine Selbstbewusstsverstärkung erreicht, die es ermöglicht, über das Prädikat „Universität“ nachzudenken. Dabei sollte es jedoch nicht darum gehen, die Universität durch ein nicht weniger albernes „Weltkulturerbe-Stadt“ zu ersetzen.

Reich an Geschichte und als drittgrößte Stadt im reichen Bayern sollte man nur auf sich selbst verweisen. In Augsburg gibt es das Römererbe, die Gotik, die Renaissance, ein Staatstheater, eine großartige Museenlandschaft, einen Zoo, das Friedensfest, Brecht, Mozart, Fugger, die Kanuten, die Fuggerei, die Kirchengeschichte und die Puppenkiste. Und natürlich sollte man den professionellen Spitzensport nicht vergessen. Und nun sind sogar 22 Stätten des Weltkulturerbes zu verbuchen. Weshalb man ausgerechnet die farblose Augsburger Universität hervorheben soll, leuchtet immer weniger ein.



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