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Montag, 19.10.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Schauspiel: Der Container wird erwachsen

Größer, geradliniger, günstiger: Baureferent stellt Neuplanung der Interimsspielstätte vor

Gerade eine Stunde alt war der Entwurf der Beschlussvorlage für die Neuplanung und Neuausschreibung der Interimsspielstätte für das Schauspiel, den Baureferent Gerd Merkle gestern dem Werkausschuss des Theaters Augsburg vorstellte. Die Neuauflage erntete breite Zustimmung bei den anwesenden Stadträten und der Theaterleitung.

Dort, wo ihn der Besucher erwartet: Der Eingang der Interimsspielstätte an der Kasernstraße. Die Planung aus 2010 sah den Zugang noch im Hinterhof über das Ottmarsgäßchen vor.

Karl-Heinz Schneider (SPD) sprach von einer “stark verbesserten Planung”, Bernd Kränzle (CSU) lobte insbesondere den Umgang mit dem Schutz von Bodendenkmälern als “bundesligareif”. Einig waren sich die beiden Vertreter der großen Stadtratsfraktionen, dass man den Namen “Container” künftig streichen könne. Man habe es nach der jüngsten Planung faktisch mit einem Schauspielhaus zu tun.

Anlass für die Neuplanung des “Containers” war die im Februar 2011 gescheiterte Ausschreibung für die vom Hamburger Architekturbüro pfp unter Allein-Regie des Theaters geplante Lösung aus dem Jahr 2010. Nicht nur das Ausschreibungsprocedere, sondern auch die Planung selbst mit einer Bodenplatte aus 400 Kubikmetern Beton und einer verunglückten Hinterhof-Eingangssituation war anschließend in die Kritik geraten (DAZ berichtete).

Kurze Wege und schnelle Entscheidungen dank lokaler Planer

Gescheitert: Containerplanung 2010 mit Hinterhof-Eingang

Gescheitert: mäandernde Containerplanung 2010 mit Hinterhof-Eingang


Seit Februar 2011 ist jetzt das Hochbauamt im Baureferat zuständig, das mit dem Ingenieurbüro Bestler einen lokalen Planer eingeschaltet hat. Die Planung wurde im Wochentakt zwischen Theaterleitung, Hochbauamt und Ingenieurbüro abgestimmt und verfeinert, wobei es dem Theater gelang, sein Raumprogramm zu verteidigen. An einigen Stellen wurde die Interimsspielstätte sogar noch vergrößert: Das Foyer wuchs von 100 auf 150 qm, sicher nicht unangemessen für 260 Besucher. Die Probebühne wurde der Dimension der Bühne des Großen Hauses angepasst, Behinderten-WCs wurden eingeplant. Insgesamt stieg die Nutzfläche gegenüber der pfp-Planung um zehn Prozent auf 1.571 qm.

Die Platzierung auf dem engen Grundstück gelang durch eine Reihe planerischer Kniffe: Die Nebenräume wurden gegenüber dem bisher zweischossigen Entwurf auf jetzt drei Ebenen gestapelt; dank der nutzungsbezogen optimierten Raumhöhen wuchs das Interim außen nur 80 cm in die Höhe. Die Probebühne wanderte ins erste Stockwerk, liegt nun über dem Foyer und kragt nach Süden 2,5 Meter über den Gehweg der Kasernstraße aus. Trotz größerer Nutzfläche konnte die Grundfläche des Gebäudes reduziert und damit der Abstand zur westlichen Nachbargrenze auf 6 Meter erhöht werden.

Schonender Umgang mit Bodendenkmälern

Eine besonders bodendenkmalverträgliche Lösung gelang den neuen Planern bei der Gründung der Spielstätte: Statt einer dicken Betonplatte mit in den Untergrund eingreifenden Streifenfundamenten und den zunächst alternativ angedachten 60 cm dicken Bohrpfählen, bei denen Bodendenkmäler zerstört würden, soll die Lastabtragung nun über 12 Meter lange duktile Rammpfähle mit 22 cm Durchmesser erfolgen, bei denen kein Aushub anfällt, sondern der Boden nur geringfügig seitlich verdrängt wird. Damit erübrigen sich zeitraubende und teure archäologische Grabungen.

Zurück zur Geradlinigkeit: Erdgeschoss der Neuplanung (zum Vergrößern anklicken)


Die Geradlinigkeit des Entwurfs soll trotz des Zuwachses an Fläche zu Kosteneinsparungen führen. Die detaillierte Kostenschätzung weist 5,3 Millionen Euro aus, einschließlich der “Holzdollars”, so Merkle, die das Theater als Bauherr an das Hochbauamt für die Bauleitung buchhalterisch überweisen muss. Die Vergabesumme der Neuausschreibung könnte damit unter 5 Millionen landen. Zum Vergleich: Das Angebot der Fa. Züblin auf die erste Ausschreibung im Oktober 2010 hatte bei 5,9 Millionen gelegen.

Fertigstellung im Mai 2012

Mit zur Kostenreduzierung soll auch die gesplittete Ausschreibung beitragen. Die Firmen für die Gebäudehülle, die Haustechnik und die Bühnentechnik sollen in insgesamt fünf bis sechs Einzelausschreibungen ermittelt werden. Sollten der Bauausschuss am Donnerstag und der Stadtrat am 26. Mai mit einem Projektbeschluss grünes Licht für das Interims-Schauspielhaus geben, wird im Juni ausgeschrieben und im Juli vergeben. Baubeginn für die Pfahlgründung wäre im August, die Gebäudehülle könnte bis November im Rohbau stehen. Fertigstellung wäre im Mai 2012, gerade rechtzeitig zu den Bayerischen Theatertagen, zu denen sich vom 11. bis 27. Mai 2012 in Augsburg 30 Theater treffen.

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