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Mittwoch, 19.06.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Sanierung Sporthalle: Verklärung der Langsamkeit

Stellen Sie sich vor, Sie wären der Besitzer einer Restaurantkette und ihre umsatzstärkste und wichtigste Lokalität wäre sanierungsbedürftig und kann deshalb nur noch von wenigen Gästen besucht werden. Selbstverständlich würden Sie jeden Euro zusammenkratzen, um so schnell wie möglich die frühere Besucherfrequenz wiederherzustellen.

Kommentar von Siegfried Zagler

Dauerbaustelle Sporthalle – Foto: Ruth Plössel /Stadt Augsburg

Und jetzt stellen Sie sich einen anderen Besitzer einer anderen Restaurantkette vor, der das gleiche Problem hat, aber finanziell nicht in der Lage ist, eine zeitnahe Generalsanierung zu stemmen, aber für jeden Sanierungsabschnitt die Presse einbestellt, um auf diese Weise seine Stammkundschaft zu informieren und Werbung für seine Tüchtigkeit zu machen.

Kommunen und Stadtregierungen verwenden diese Form der Eigenwerbung nicht selten dafür, um von Problemen abzulenken, die sie selbst verursacht haben und für deren Lösungen die Mittel fehlen. In Augsburg kommentiert man diese Form der Öffentlichkeitsarbeit seit Beschluss der Theatersanierung nur noch mit sarkastischer Ignoranz.

Was alteingesessene Augsburger „die Sporthalle“ nennen, ist eine am Rand des Wittelsbacher-Parks gelegene Institution, die seit mehr als zehn Jahren nur noch in sehr reduzierter Form genutzt werden kann und teilweise komplett gesperrt wurde. Die Besitzerin der seit 2003 unter Denkmalschutz stehende städtische „Erhard-Wunderlich-Sporthalle“, die Stadt Augsburg, sperrt nun seit mehr als zehn Jahren eine ganze Generation von Heranwachsenden aus und tut so, als wäre dies ein unvermeidlicher Schaden, der ein schicksalsbedingtes Handeln erfordert. Dabei handelt es sich eher um eine Irreführung der Stadtgesellschaft, um ein PR-Management falscher politischer Priorisierung.

Es gibt kaum einen ergrauten Fußballer in der Region Augsburg, der in seiner Jugend nicht an den großen Jugendturnieren teilgenommen hat und später nicht zu den Zuschauern gehörte, als die Schwäbischen Fußball-Hallenmeisterschaften dort ihren Höhepunkt fanden. Diese lokalen Großveranstaltungen aller möglichen Sportarten wie die täglichen Trainingsmöglichkeiten des Breitensports fehlen der Stadt Augsburg mehr als die Treffen und Auftritte “aus Funk und Fernsehen” von Thomas Gottschalk bis Harald Juhnke.

Box-Legende Muhammad Ali hätte seine Showkämpfe gegen Karl Mildenberger und Jimmy Ellis auch in jeder anderen Halle ausgetragen. Das langsame Sterben der Sporthalle riss eine größere und schmerzvollere Lücke als es die Stadtverwaltung darstellen kann. Noch in der Votteler-Ära diente die Erhard-Wunderlich-Sporthalle als Ausweichquartier für witterungsbedingt abgebrochene Freilichtbühnen-Veranstaltungen des Stadttheaters.

Bereits im April beschloss der Fachausschuss einstimmig, 1,4 Millionen Euro im Haushalt anzumelden. Mit diesen Mitteln wird nun der aktuelle Sanierungsschritt gestemmt. Wie viel die Stadt bis Sanierungsabschluss investieren muss, steht noch nicht fest. Mit welcher Förderung der Bund noch einsteigt, steht noch nicht fest. Wann die Sporthalle für den Breitensport und Großveranstaltungen vollumfänglich wieder genutzt werden kann, steht noch nicht fest.

Zu verantworten hat diese kafkaeske Situation die Stadt Augsburg und ihre CSU-dominierten Stadtregierungen. Die verheerende Langsamkeit einer falschen Haushaltspolitik wird durch Symbolhandlungen wie den “Spatenstich” mit OB und Sportreferent am vergangenen Dienstag verklärt. Dass auf dem dazu veröffentlichten Foto nur Oberbürgermeisterin Eva Weber und Sportreferent Jürgen Enninger keinen weißen Helm tragen, darf als Zeichen dafür gesehen werden, dass Asche auf ihre Häupter noch nicht gestreut wurde.