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Dienstag, 28.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Sanierung Gignoux-Haus: Wissenschaftler fordern Stadt zum Umdenken auf

Eine hochkarätige Gruppe von Wissenschaftlern – Historiker, Architekten, Professoren und Kunstpädagogen – versucht die Stadt mittels eines dramatischen Appells bei der Sanierung des Gignoux-Hauses zum Umdenken zu bewegen. Sie sehen die erhaltenswerte Substanz des Gebäudes der organisierten Zerstörung ausgesetzt. In ihrem Offenen Brief an die Regierung von Schwaben und Oberbürgermeister Kurt Gribl fordern sie, „dass im Hinblick auf die Bedeutung des Gignoux-Hauses eine erneute und intensive Diskussion über die Art und Weise der Sanierung erfolgen muss“. Der Offene Brief befindet sich als Link am Ende des Essays von Gregor Nagler, der in der DAZ bereits im Dezember 2017 erschien und aus aktuellem Anlass leicht gekürzt neu aufgelegt wird.

Die kommerzielle Unterwanderung und Trivialisierung des Gignoux-Hauses – oder die Geschichte vom Ausverkauf unserer Städte

Von Dr. Gregor Nagler
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Gignoux-Haus: „Ein Denkmal, wie es im Buche steht.“ (c) DAZ

Das so genannte „Gignoux-Haus“ wurde 1764-65 im Auftrag von Georg Christoph Gleich als Wohnhaus und Kattunmanufaktur errichtet. Der Architekt des Gebäudes, Leonhard Christian Mayr, wurde später, 1770-71, auch von Johann Heinrich Schüle mit dem Bau seiner Kattunmanufaktur am Roten Tor beauftragt. Georg Christoph Gleich war durch Heirat mit Anna Barbara Gignoux in den Besitz der Gignoux´schen Kattunmanufaktur gekommen, trieb diese jedoch 1770 in den Konkurs. Anna Barbara führte danach den Betrieb erfolgreich weiter. Das ehemalige Manufakturgebäude liegt an einer platzartigen Situation an der Gasse Vorderer Lech. Gegenüber sieht man noch Wohnhaus der Anna Barbara Gignoux, das 1782 vielleicht wiederum von Leonhard Christian Mayr umgebaut wurde.

Das dreigeschossige Gignoux-Haus entstand über winkelförmigem Grundriss durch Zusammenfügung mehrerer älterer Gebäude. Mit seinem Mansardendach und der vielleicht von Franz Xaver Feuchtmayer reich stuckierten Rokoko-Fassade stellt es architektonisch eine Ausnahmeerscheinung im alten Augsburger Handwerkerviertel dar. Nach dem Teilabbruch der Schüleschen Kattunfabrik handelt es sich um das bedeutendste Beispiel einer Augsburger Kattunmanufaktur aus reichsstädtischer Zeit. Zudem zählt die Architektur nach der des Schaezlerpalais zu den bedeutendsten Rokoko-Bauwerken der Stadt. Das Gignoux-Haus ist zum Teil über einem Kanal errichtet und damit ein hervorragendes Beispiel für die Nutzung der Energiequelle Wasser – ein Themenfeld, mit dem sich Augsburg als UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte bewirbt.

Die alte Manufaktur wurde nach dem Tod von Anna Barbara Gignoux umgenutzt. 1822 zog die Gaststätte „Blaues Krügle“ ein, für die schließlich ein Tanz- und Aufführungsaal angebaut wurde. Am 10. Oktober 1945 fand hier die erste Aufführung des Augsburger Schauspielensembles statt.