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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Sangesfieber: Der Traum vom Durchbruch auf der Bühne

Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid erzählen ein bisschen über sich selbst

Von Halrun Reinholz

Ein „Musiclett“ gibt es nicht zum ersten Mal im sensemble Theater. Wolfgang Lackerschmid und Stefanie Schlesinger haben diese Form des Mini-Musicals bereits zweimal ausprobiert: In „Ma trés chère cousine“ kam Mozarts Augsburger „Bäsle“ zu Wort, in „Jetzt ist er tot, der Hund“ ging es um Bertolt Brecht und seine Jugendliebe Paula Banholzer. Zweimal eindeutig Augsburger Stadt(kultur)geschichte. „Sangesfieber“ hat einen anderen Ansatz.

Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid


Stefanie Schlesinger erscheint auf der Bühne als etwas gestresste Musikkritikerin, die, wie man mittels eines Telefonats erfährt, die Generalprobe des Konzerts einer berühmten Sopranistin besucht hat, um vorab über die Veranstaltung zu berichten. Die Musikkritikerin ist allerdings selbst auch Sängerin und würde viel lieber auf der Bühne stehen, als das Konzert des wohl schon in die Jahre gekommenen Stars zu kommentieren. Doch welch Wunder, der Star ist unpässlich und die (namenlose) Sängerin erhält ihre Chance. Soweit die etwas operettenhaft (oder auch musicalkonform) anmutende Handlung, doch selbstverständlich geht es hauptsächlich darum, Musik zu machen.

Stefanie Schlesinger zeigt alle Facetten ihrer wunderbaren Jazz-Stimme, die (auch wenn man ihr die „Sopranistin“, für die sie einspringen soll, nicht so richtig abnimmt) auch alle klassischen Nuancierungen draufhat. Es geht im Stück um die Ehre der sogenannten „U-Musik“, die Stefanie Schlesinger leidenschaftlich verteidigt und deren mögliche technische Rafinessen sie überzeugend und timbriert vorführt. Wolfgang Lackerschmid begleitet sie ganz ungewohnt auf dem Klavier, das er (für viele wohl erstaunlicherweise) virtuos beherrscht. Im zweiten Teil des Stückes findet das vermeintliche Einspring-Konzert statt, Spiel im Spiel sozusagen, und hier greift Lackerschmid dann doch wieder auf sein vertrautes und bewährtes Vibraphon zurück. Nun spielen die beiden endgültig sich selbst, geben unter anderem aus ihrem neuesten Programm Lieder nach Texten von Markus Lüpertz zum besten. So wird dieses Musiclett dann doch wieder sowas wie Augsburger Kulturdokumentation in der lebendigen (und gelebten) Tradition des sensemble-Theaters. Gegenwart, nicht Geschichte. Ein bezaubernder musikalischer Abend.