DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Salafismus in Deutschland

Vortrag der Interkulturellen Akademie

„Zwischen Identitäts-Suche, Abgrenzung und Radikalisierung: Ein Panorama des Neo-Salafismus in Deutschland.“ Unter diesem Titel referiert am kommenden Donnerstag Dr. Marwan Abou Taam von der Humboldt-Universität Berlin.

Salafisten schaffen es, mit ihrer religiös-totalitären Weltanschauung desorientierte Jugendliche zu mobilisieren. Junge Menschen, die unter dem Verlust sozialer Zuordnung leiden und nach Identität und Geborgenheit suchen, fühlen sich von den totalitären Gedanken des Salafismus angezogen. Sie stehen für Rückzug, Identitätssuche und die Angst vor vermeintlichen Sünden. Der Erfolg des Salafismus resultiert daraus, dass er sich als sinngebende gesellschaftliche Formation darstellt, die Widerstand leistet gegen eine zunehmende Entzauberung des Göttlichen. Sie beinhaltet gleichermaßen eine revolutionäre Gedankenwelt gegen die Moderne und all diejenigen, die für die Schwäche des Islam verantwortlich gezeichnet werden und ist eine sich konservativ gebende Ideologie, die die goldene Zeit des Islam beschwört. Diese Gleichzeitigkeit von revolutionärem Chaos und religiös-kultureller Kontrolle übt eine Faszination aus, die viele junge Menschen erreicht. Das salafistische Projekt vermittelt ihnen das Gefühl, Zeitgeschichte zu schreiben, da sie sich aus Sicht des Salafismus nicht nur gegen die vorherrschenden Autoritäten auflehnen, sondern sich auch auf Gottes Seite positionieren. In ihren Kritikern und Gegnern sehen sie Anhänger des Teufels.

Dr. Marwan Abou Taam ist wissenschaftlicher Referent des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz und assoziierter Partner des Projekts „Identitäts- und Abgrenzungsrituale von Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund im deutsch-europäischen Innen- und Außenverhältnis (Heymat)“ an der Humboldt-Universität Berlin.

Der Vortrag findet am Donnerstag, 4. Oktober um 19.30 Uhr statt im Assyrischen Mesopotamien Verein, Mendelssohnstraße 21. Eintritt: 5 Euro.