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Dienstag, 21.01.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

GESELLSCHAFT

Rückblick auf den 5. Augsburger Begabungstag

Als das Bildungsbündnis sich auf den Dreiklang von Ökologie, Verantwortung und Politik für den 5. Augsburger Begabungstag festlegte, da ahnte niemand, wie hochaktuell dieses Thema werden würde. 

Von Udo Legner

Grafik: Nontira Kigle

Es begann zu Beginn des Schuljahres 2018/2019. Niemand hatte damit gerechnet, aber es geschah und es geschieht immer noch: Eine Welle der Politisierung, die sich als Protest gegen das Versagen der Politik gegenüber dem Klimawandel verstand, schwappte von Schweden bis in die Schwabenmetropole und führte bei den dem Begabungstag vorhergehenden Fridays-for-Future-Demos zu einer Rekordbeteiligung: Bundesweit protestierten 1,3 Millionen und in Augsburg mehr als 6000 Menschen. In seiner Begrüßung spannte Bildungsreferent Hermann Köhler den Bogen zu dem Key-Note-Speaker des vorletzten Begabungstages im Jahr  2017. Damals hat Yaakov Hecht (DAZ berichtete) in seinem Vortrag betont, dass Bildung nur mit  Partizipation und demokratischen Schulen gelingen könne.

Partizipation und Engagement

Was vor zwei Jahren noch weitgehend Wunschdenken war, sei mittlerweile Wirklichkeit geworden. Schülerinnen und Schüler bestimmten nicht nur mit, sondern sie bestimmten fast im Alleingang, was bei den Fridays for Future Aktionen läuft. Die Vielfalt der Veranstaltungen dieses Bildungstages  mit Vorträgen, Workshops, Diskussionen und die vielen Stände, mit denen sich fast 40 Einrichtungen auf dem Marktplatz der Möglichkeiten präsentierten, zeige eindrucksvoll die Breite des Augsburger Bildungsspektrums und sei Beleg für das große Engagement schulischer wie außerschulischer Akteure, so Hermann Köhler.

Die Auswertung der Feedback-Bögen verdeutlichte die große Zufriedenheit der mehr als 250 Besucher mit dem bewährten Konzept des Begabungstags, das ein breites und generationenübergreifendes Publikum anspricht. Der Mix aus hochkarätigen Fachvorträgen (Bildung für nachhaltige Entwicklung durch den Greenpeace-Kampainer Thomas Hohn, WeQ Learning von Peter Spiegel zur Frage, wie die Wir-Qualität in unserer Gesellschaft breit verankert werden kann) und die Workshops mit Lehrer/innen und  Schüler/innen sowie der vielen ehrenamtlich Engagierten – sie alle machen den Erfolg dieser bereits traditionsreichen Bildungsveranstaltung im Augsburger Rathaus aus.

Frischer Wind im Bildungsbereich

Green Peace-Kampainer Thomas Hohn Foto: © Ramona Stonner

Green Peace-Kampainer Thomas Hohn Foto: © Ramona Stonner

Key-Note Speaker und Green Peace-Kampainer Thomas Hohn erläuterte die Kernpunkte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) . Zukunft wird hierbei zu einem sinnstiftenden Moment für Bildungsprozesse, die eine neue Partizipations-und Kooperationskultur von Bildungseinrichtungen voraussetzt.

Lernen soll weitgehend selbstverantwortlich und lösungsorientiert erfolgen und es gehe nicht zuletzt darum, Alternativen zu den derzeit dominierenden Wirtschaftsmodellen, Lebensstilen und Denkweisen zu entwickeln. Im Idealfall befähige BNE die Menschen dazu, sich und die Gesellschaften, in denen sie leben, zu transformieren. Dass dies freilich kein Selbstläufer ist, verdeutlichte ein Blick auf das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer. Zwar begegneten mittlerweile 71 Prozent der Schülerinnen und Schüler Nachhaltigkeit in der Schule, doch nur 30 Prozent haben Möglichkeiten kennengelernt. Gesellschaft zu verändern. Gerade mal 19 Prozent haben sich mit Zukunftsvisionen auseinandergesetzt und nur 15 Prozent nehmen an einem Austausch mit Menschen anderer Kulturen teil und begegneten anderen Denkweisen. Inzwischen gebe es zwar immer öfters Nachhaltigkeitsprojekte an Schulen  – von Müllsammeln bis zu Projekttagen und Podiumsdiskussionen – allzu oft seien diese aber nur punktuell und von kurzer Dauer und verpufften deshalb anstatt nachhaltig nachzuwirken.

Positive Gegenbeispiele hierzu bot der Marktplatz der Möglichkeiten, auf dem sich 40 Initiativen und Schülergruppen präsentierten, die sich schon lange um eine Bildung für nachhaltige Entwicklung bemühen, wie zum Beispiel der Stand des Holbein und Maria-Theresia Gymnasium. Die Schüler/innen stellten ihre auf zwei bzw. auf drei Jahre angelegten ERASMUS Projekte  „OWNING THE FUTURE“ und „A VISION SHARED – Promoting the UN Sustainable Development Goals in and beyond School“  vor und führten zudem eine Umfrage zu Fairem Handel durch, die gleichzeitig in den spanischen, englischen, französischen und italienischen Partnerschulen stattfand.

Partizipativ abgerundet wurde der Begabungstag durch den Auftritt der Musik Combo des Jakob-Fugger Gymnasiums und der Verköstigung durch die Holbein-Catering-Truppe.